Pressemitteilung
Drei Zuschläge über 100.000 Euro
Herbstauktionen bei Reiss & Sohn

Königstein/Taunus, Jubiläumsauktionen, 1. – 4. November 2011 bei Reiss & Sohn

Am heutigen Freitag gingen die Buch- und Kunstauktionen in Königstein zu Ende. Von den mittelalterlichen Handschriften, über Inkunabeln, die illustrierten Bücher und Landkarten bis hin zur Fotografie konnten viele gute, teils herausragende Zuschläge erzielt werden. Insgesamt wurden rund 3000 Positionen versteigert. 55 Zuschläge lagen im fünf- bis sechsstelligen Bereich. Nachstehend einige bemerkenswerte Ergebnisse.

Handschriftlicher Reisebericht ins Heilige Land erzielte 120.000 Euro

Das Hauptwerk des mittelalterlichen Kanonikers Raimundus de Penaforte, seine „Summa de paenitentia et matrimonio“ in einer nordfranzösischen Manuskriptversion aus dem Jahr 1280, stieg bei geschätzten 15.000 auf 22.000 Euro. Einen weiteren überraschenden Rekordzuschlag erzielte mit 120.000 Euro (Taxe 10.000 Euro) eine zeitgenössische oder nur wenig spätere Abschrift des „Reiss Buch gen Jerusalem“ des Jakob Bundi. Das „Tagebuch“ beschreibt die Pilgerfahrt des Abtes des Klosters Disentis (Schweiz) in den Jahren 1591-92 über Korfu und Zypern nach Jaffa und von dort nach Jerusalem.

Jenson-Plinius von 1476 für 195.000 Euro zugeschlagen

Das teuerste Objekt der Auktionen, die erste italienische Plinius-Ausgabe der „Historia naturalis“ aus dem römischen Verlag Jenson, konnte für 195.000 Euro (Hammerpreis) seinen Besitzer wechseln (250.000). Die prachtvoll illuminierte Inkunabel aus dem Jahr 1476 erhielt im 19. Jahrhundert einen Meistereinband durch René Simier und gilt als das erste wichtige gedruckte Buch im Bereich der Wissenschaften. Das herrliche „Trachtenbuch“ von Hans Weigel aus dem Jahr 1577 konnte bei geschätzten 15.000 mit 28.000 Euro die Taxe nahezu verdoppeln. Mit 38.000 Euro knapp unter der Taxe von 40.000 blieb das „De re Militari“ des Vegetius Renatus im Utrechter Erstdruck von 1473.

Avicenna im arabischen Original: Ausruf 10.000 - Zuschlag 150.000 Euro

Dass ein altes Buch unter Umständen mehr Wert sein kann als jedes andere Wertpapier, Fonds oder Edelmetalle, bewies der Verkauf der ersten arabischen Ausgabe der „Canon medicinae“ von Avicenna (Rom 1593). 1976 erstand der Einlieferer das seltene Werk für damals 3.800 DM (Hammerpreis) beim Auktionshaus Reiss, nach 35 Jahren entschied er sich nun zum Wiederverkauf. Als am Abend des ersten Auktionstages bei 150.000 Euro der Hammer fiel, entsprach das einer jährlichen Rendite von 220%. Etwas bescheidener nimmt sich dagegen der Wissenschaftsklassiker von Helmholtz „Über die Erhaltung der Kraft“ aus, der bei geschätzten 15.000 Euro auf 18.000 stieg.

Naturgeschichtliches: Vogelkunde der Niederlande

Ein herausragendes Exemplar von Gesners „Vogel-Thier und Fischbuch“ in einem Band, gedruckt 1557-1563, stieg von geschätzten 25.000 auf 30.000 Euro. Der prächtige, reich vergoldete rote Maroquineinband des von G. Targioni Tozzetti erstellten Katalogs des Naturalienkabinetts des Palazzo Pitti in Florenz, ziert den Deckel des Sonderkatalogs der Auktion 147 „Ausgewählte Bücher - Inkunabeln“. Bei der prachtvoll gebundenen italienischen Handschrift aus dem Jahr 1763 handelt es sich um ein Geschenkexemplar für Kaiser Franz I. Das Unikat konnte seine Schätzung von 10.000 Euro mit einem Zuschlag von 34.000 Euro mehr als verdreifachen. Die einzige Ausgabe von N. J. v. Jacquins prachtvoller und seltener Flora Österreichs (Wien 1773) konnte mit 42.000 Euro (Taxe 35.000) für einen Bieter am Telefon zugeschlagen werden; das mit 250 altkolorierten Kupfertafeln versehene Werk „Nederlandsche vogelen“ von C. Nozeman und M. Houttuyn (Amsterdam 1770-1829) übertraf mit einem Zuschlag von 47.000 Euro ebenfalls seine Taxe von 40.000 Euro.

Für den Freihandel - Karl Marx erlöst 5.000 Euro

Im September 1847 fand in Brüssel ein Freihandelskongress - heute würde man wohl von einer WTO-Konferenz sprechen - statt. Auf der Rednerliste stand damals auch ein gewisser Karl Marx, kam aber nicht zu Wort. Marx wollte sich in seiner Rede für das System der Handelsfreiheit aussprechen, da diese den Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat auf die Spitze treibe und so die soziale Revolution beschleunige. Die 1848, im gleichen Jahr wie das Kommunistische Manifest, gedruckte Erstausgabe dieser berühmten Rede ist eine große Seltenheit. Eines der wenigen erhaltenen Exemplare kam am zweiten Auktionstag zum Aufruf und stieg von geschätzten 2.500 auf 5.000 Euro.

Fotos des Yosemite Parks für 85.000 Euro

Auch die am Mittwochvormittag begonnene Auktion mit Reisewerken, Atlanten und Landkarten endete überaus erfolgreich. Zwar hatte sich in den letzten Jahren ein Anstieg der Preise im Bereich der alten Reisefotografie abgezeichnet, jedoch wurde ein Album mit 12 Aufnahmen des Yosemite-Nationalparks, 1867 vom britischen Fotografen E. Muybridge fotografiert, mit einer Taxe von 6.000 Euro stark unterschätzt. Nach einem spannenden Bietgefecht am Telefon fiel der Hammer schließlich bei beachtlichen 85.000 Euro. Das Werk des Paulus Orosius „Historia adversus paganos“, eigentlich eine Verteidigungsschrift für das Christentum, enthält unter anderem eine bedeutende Weltkarte, die dem unvollständigen Band zu seinen taxgemäßen 20.000 Euro verhalf. Zur Taxe von 35.000 Euro verkaufte sich auch der herrlich altkolorierte sogenannte „Vignettenband“ zu dem Reisewerk des Prinzen Maximilian zu Wied-Neuwied nach Nordamerika“. Bei den Atlanten erzielte das um 1680 zusammengestellte Kartenwerk von de Wit 26.000 Euro und blieb damit knapp unter den geschätzten 30.000 Euro.

Landkarten: Spitzenqualität zu herausragenden Preisen

Zum Topzuschlag der Abteilung alter Landkarten wurde mit 70.000 Euro (Taxe 80.000) eine von P. Forlani gestochene Weltkarte aus dem Jahr 1570. Von geschätzten 1.000 auf 7.000 Euro stieg eine Landkarte von Virginia, die vermutlich bei ihrem Erscheinen im Jahre 1613 einer Messrelation von J. Francus beigegeben war. Eine seltene Einblattdrucklandkarte der Insel Zypern, erschienen 1570 bei Lafreri in Rom, erlöste mit 20.000 Euro einen beachtlichen Zuschlag, berücksichtigt man, dass ein großer Teil des Kartenbildes in früherer Zeit weggeschnitten wurde (30.000). Die höchst dekorative klassische Weltkarte mit dem reichen Bildschmuck aus dem Amsterdamer Verlag des Johann Blaeu erlöste taxgerechte 10.000 Euro.

Alte und neue Kunst: Potiphars Weib

Zum Abschluss der viertägigen Auktionsveranstaltung versteigerte Reiss & Sohn am 4. November alte und neue Kunst. Eine Fassung der biblischen Geschichte von „Joseph und Potiphars Frau“ aus der Bologneser Schule des 17. Jahrhundert ging bei geschätzten 4.000 Euro mit 14.000 Euro an einen im Saal anwesenden Bieter. Bei der zeitgenössischen Fotografie konnte eine Komposition balancierender Stühle des Künstlerduos Fischli-Weiss bei geschätzten 6.000 auf 11.000 Euro steigen. Eine gefällige in Öl gehaltene Malerei mit Darstellung einer Hirschjagd des in Frankfurt tätigen Malers Fritz Boehle stieg von geschätzten 2.000 auf 3.000 Euro.

Für die Auktionen im Frühjahr 2012 werden schon jetzt Einlieferungen angenommen.


   

Zur Auktion erscheint ein reich und durchgehend farbig illustrierter Katalog. Das vollständige Auktionsangebot mit farbigen Abbildungen aller Positionen sowie einer Volltextsuche finden Sie auch auf unserer Website. Weitere Informationen und zusätzliches Bildmaterial erhalten Sie bei:

Reiss & Sohn, Adelheidstraße 2, 61462 Königstein im Taunus, Tel. 06174-92720, Fax: 06174-927249, www.reiss-sohn.de