| Nachbericht zur den Frühjahrsauktionen vom 27. bis 29. April 2010
Königstein im Taunus, 1. Mai 2010. – Zufrieden zeigten sich die Auktionatoren Godebert und Clemens Reiss nach Abschluss der diesjährigen Frühjahrsauktionen alter Bücher, Handschriften, seltener Landkarten und Stadtansichten. Mehr als 5.000 Positionen kamen unter den Hammer. Allein die gewohnt umfangreiche Abteilung an frühen Atlanten erzielte mit 100 verkauften Positionen einen Umsatz von 450.000 Euro. Teuerstes Stück der Auktion war ein koloriertes Exemplar der „Hydrographie françoise“. Um 1776 in Paris publiziert, erlöste es einen Zuschlagspreis von 50.000 Euro. Eine beachtliche Preissteigerung, von geschätzten 8.000 auf schließlich 28.000 Euro, erzielte Puschkins romantische Verserzählung „Der Springbrunnen von Bachtschissarai“ im russischen Erstdruck von 1824.
Handschriften und Frühdrucke
Ein französisches Stundenbuch des späten 15. Jahrhunderts mit 16 ganzseitigen Miniaturen ging bei 45.000 Euro in eine ausländische Privatsammlung. Ebenfalls in der Handschriftenabteilung ließ sich ein kaufmännisches Rechenhandbuch der Nürnberger Kaufmannsfamilie Peller für 12.000 Euro absetzen und ging in eine deutsche Bibliothek. Bei den Autographen konnte ein Brief Goethes an Eckermann von den geschätzten 2.500 Euro auf 7.000 steigen. Einen Schwerpunkt der Buchabteilung bildete eine umfangreiche Sammlung zum Thema Pietismus, die fast vollständig abgesetzt werden konnte. Besonders erfolgreich waren die Druckwerke deutscher Pietisten in Amerika. Beissels „Paradiesisches Wunderspiel“, ein Frühwerk amerikanischer Druckkunst aus Ephrata in Pennsylvania, erzielte einen Zuschlag von 12.000 Euro (Taxe 6.000).
Bartholomaeus Pisanus „Summma de casibus“ von 1475 konnte bei 20.000 Euro (12.000) an eine private Sammlung veräußert werden. Ein weiterer theologischer Klassiker, das „Manuale confessorum“ des Johannes Nider, hier im Basler Druck nach 1474 konnte die erwarteten 12.000 Euro erfüllen.
Naturwissenschaften und Literatur
Bei den mathematisch-naturwissenschaftlichen Werken überzeugte die „Arithmetica“ des Boethius in einem Druck von 1488 für 14.000 Euro. Schotts „Magia universalis“, in einem prächtigen Exemplar vorliegend, fand seinen neuen Besitzer taxgerecht bei 18.000 Euro.
Das erste moderne illustrierte Kräuterbuch von Otto Brunfels, ein Vorläufer des legendären Herbars von Leonhard Fuchs, konnte leicht über der Taxe mit 13.000 Euro verkauft werden. Der botanische Barockklassiker von Valentini, sein „Kräuterbuch“ in einem Druck von 1719, fand bei 14.000 Euro einen neuen Besitzer und konnte die Vorschätzung ebenfalls leicht überflügeln.
In der Abteilung deutscher Literatur und Philosophie stieg die erste Ausgabe von Goethes „Farbenlehre“ von geschätzten 7.500 auf 10.000 Euro.
Geographie und Atlanten
Mit einigen erfolgreichen Zuschlagspreisen konnte auch die Spezialauktion geographischer Werke, Atlanten und Landkarten aufwarten. Dass Bücher über die Südsee zur Zeit hoch im Kurs stehen, bewies einmal mehr das Ergebnis für eine kleine Flugschrift über den Untergang des holländischen Handelsseglers „Batavia“ vor der Küste Australiens im Jahre 1629. Die hier angebotene Ausgabe des vom Kapitän des Schiffes verfassten Berichtes, mit einigen anschaulichen Kupfern illustriert, konnte Ihren Wert von geschätzten 10.000 auf 20.000 Euro steigern. Von 20.000 auf 24.000 Euro stieg die spanische Ausgabe des ersten Bandes des Blaeuschen Weltatlasses. Die erste Ausgabe des Ptolemaeus-Atlas durch Sebastian Münster erzielte 20.000 Euro. Von 12.000 auf 25.000 Euro verbesserte sich die zehnte Ausgabe der Münster-Kosmographie von 1564.
Landkarten und Graphik
Wie stets fanden sich bedeutende Erzeugnisse kartographischer Produktion unter den mehr als 1.800 Positionen an alten Landkarten, Plänen und Stadtansichten.
Einen besonderen Schwerpunkt bildeten verschiedene Sammlungen asiatischer Drucke und Handschriften, die überwiegend zu hervorragenden Preisen abgesetzt werden konnten. Zu den Meisterwerken japanischer Kartographie darf die von dem buddhistischen Mönch und Gelehrten Zuda Rokashi gezeichnete Weltkarte aus dem Jahre 1710 gerechnet werden. Ein Exemplar des fragilen Blattes in hervorragender Erhaltung konnte von 12.000 auf 18.000 Euro gesteigert werden. Die um 1800 in Peking entstandene sinozentrische Weltkarte in 24 Segmenten von Ma Junliang konnte sich von 10.000 auf 16.000 Euro verbessern.Die klassische frühe Weltkarte aus der Schedelschen Chronik von 1493 erlöste taxgerechte 7.500 Euro. Die barocke Weltkarte von Blaeu in einer spanischen Ausgabe verfehlte Ihre Vorschätzung nur knapp mit 11.000 Euro (12.000). Hingegen konnte sich die prachtvolle Luxemburg-Ansicht von Jollain in einem altkolorierten Exemplar von 2.500 auf 9.000 Euro verbessern und ziert nunmehr eine europäische Privatsammlung.
Zu jeder Auktion erscheinen reich illustrierte Kataloge. Das vollständige Auktionsangebot mit vielen zusätzlichen und durchgehend farbigen Abbildungen sowie einer Volltextsuche auch auf unserer Website. Weitere Informationen und zusätzliches Bildmaterial erhalten Sie bei:
Reiss & Sohn, Adelheidstraße 2, 61462 Königstein im Taunus, Tel.
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