Presse

Vorschau auf die Herbstauktionen 190-192, 30. Oktober-1. November 2018

‚Das Kapital‘ in erster Ausgabe,  Fuchs‘ Kräuterbuch im Künstlerkolorit und ‚Newsletter‘ von der Seeschlacht bei Lepanto

In drei Katalogen präsentiert Reiss & Sohn sein saisonales Programm. Auffallend ist der hohe Anteil an marktfrischer Ware in allen Abteilungen. Unter anderem konnten mehrere größere und geschlossene Sammlungen, zum Teil vor Jahrzehnten zusammengetragen, akquiriert werden.

Ein besonderer Schwerpunkt unter den insgesamt mehr als 2000 Positionen an wertvollen und seltenen Büchern, Handschriften und Atlanten liegt bei rund 400 Werken der Wirtschaftstheorie des 16. bis 20. Jahrhunderts, darunter viele Klassiker der Nationalökonomie in ersten Ausgaben. Die Abteilung wird in einem eigenen Sonderkatalog „Wirtschaft und Staat. Eine bedeutende Privatsammlung“ präsentiert.

Zu den Highlights zählt hier zweifelsohne die Erstausgabe von Karl Marx‘ „Das Kapital“, von dem zu Marx‘ Lebzeiten nur der erste Band erschien. Es war Friedrich Engels, der die Herausgabe der übrigen Bände des bedeutenden Werkes besorgte (Schätzpreis 45.000,-€). Auf das Doppelte jenes Schätzpreises kommt ein anderer berühmter Klassiker, Thomas Robert Malthus‘ Bevölkerungslehre „An essay on the principle of population“ in der Erstausgabe von 1798 (90.000,- €).

Gleich zwei der exzeptionell schönsten botanischen Werke finden sich in der Herbstauktion bei Reiss & Sohn: das schönste Kräuterbuch der Renaissance von Leonhard Fuchs und das schönste Blumenbuch des Barock von Basilius Besler. Fuchs‘ Kräuterbuch wird in einem einzigartigen Exemplar offeriert, das in außergewöhnlich brillantem und künstlerischem Kolorit von Hubert Cailleau (um 1526-1590) ausgeführt ist, dem Hofmaler der Königin Maria von Ungarns (400.000,-€). Der prächtige „Hortus Eystettensis“ von Besler (hier in einer Ausgabe von ca. 1750), welches in großformatigen kolorierten Kupferstichen, nach Jahreszeiten geordnet, die Blumen und Pflanzen des botanischen Gartens der Fürstbischöfe von Eichstätt abbildet, soll 100.000,- € einspielen.

Bei den Handschriften findet sich neben einer Reihe von verzierten Gebetbüchern des 15. Jahrhunderts eine Kollektion von sogenannten „Neuen Zeitungen“ aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Diese Vorläufer der gedruckten Zeitungen wurden handschriftlich vervielfältigt und berichten über verschiedene wichtige Ereignisse der Zeit wie der Bartholomäusnacht oder aus den Türkenkriegen, hier insbesondere über die Seeschlacht bei Lepanto, bei der die Osmanen verheerende Verluste erlitten (Schätzpreise zwischen 400,- und 2.000,- €). Großes Interesse dürfte auch das Stammbuch eines Buchbinders aus Lauban in der Oberlausitz mit Einträgen zwischen 1730 und 1782 hervorrufen. Für das aufwändig gefertigte und mit reizvollen Illustrationen ausgestattete Album werden 2.000,- € erwartet. Ein weiteres Glanzstück in der Abteilung Frühdrucke und Handschriften ist ein auf Pergament gedrucktes Breviarium Romanum von 1474. Als einer der beiden ältesten Brevierdrucke überhaupt ist es von großer Seltenheit (Schätzpreis 18.000,- €).

Neben den bereits erwähnten Werken von Besler und Fuchs finden sich über 200 Lose in der hervorragend ausgestatteten Abteilung mit botanischen und zoologischen Werke sowie naturkundlichen Vorlagenbüchern. Weitgehend aus einer alten, kundig zusammengetragenen Sammlung stammend, sind hier viele besonder Raritäten und Kostbarkeiten zu entdecken. Für ein altkoloriertes und teils goldgehöhtes Exemplar von Maria Sibylla Merians berühmten „Surinaemschen Insecten“ werden 50.000,- € erwartet.

In einer kleinen Privatsammlung deutscher Literatur mit meist attraktiven Exemplaren versteckt sich als unscheinbarer Beiband die überaus seltene Erstausgabe von Goethes anonym erschienenem Frühwerk „Moralisch-politisches Puppenspiel“ (Schätzpreis 4.000,- €).

Ein eigenes Kapitel mit über 120 Losen aus einer alten Privatsammlung widmet sich der Reit- und Fahrkunst, Pferdezucht, Pferdearznei und anderen hippologischen Themen.

Sammler von Atlanten, Landkarten und Ansichten können aus einem Gesamtangebot von rund 1100 Losen wählen. Unter den Weltkarten sticht dabei eine dekorative Karte von 1669 hervor, die als urheberrechtliches Kuriosum unter dem fingierten Namen des angesehenen holländischen Kartographen Blaeu erschien, tatsächlich jedoch eine Kopie nach Nicolaas van Geelkercken, bzw. nach Visscher und Hondius darstellt (Schätzpreis 18.000,- €).

Im Auktionshandel kaum auffindbar ist eine kolorierte Kupferkarte nach Petrus Plancius von Jan van Doetecum aus dem Jahre 1594. Die Karte zeigt den gesamten indonesischen Archipel und ist geschmückt mit reicher Staffage (Schätzpreis 10.000,-€). Bereits für 1.200,- € zu haben ist eine selten gesehene Gesamtansicht der Stadt Nürnberg von Johann Sibmacher von 1595 im ersten Zustand.

Die drei reich illustrierten Kataloge können als Printversion erworben werden. Die Onlineversion mit zusätzlichen Abbildungen ist einsehbar unter www.reiss-sohn.de. Dort können die Lose auch direkt schriftlich beboten werden oder ein Gebotsformular zum Faxen oder Versenden heruntergeladen werden.