Presse

PRESSEMITTEILUNG - September 2020

Die Optik, das Sehen und die schöne Anschauung

Vorschau auf die Herbstauktionen 200 – 201 bei Reiss & Sohn
in Königstein/Taunus vom 27.-30. Oktober 2020

Königstein (Taunus), im September 2020.In zwei Katalogen mit insgesamt mehr als 2800 Positionen wertvoller und seltener Bücher, Handschriften, Atlanten und Landkarten sowie dekorativer Graphik präsentieren sich bei Reiss & Sohn die diesjährigen Herbstauktionen. Unter den vielen bibliophilen Seltenheiten bilden ein besonderes Highlight rund 220 Bücher zur Geschichte der Optik und ihrer praktischen Anwendung mit Vorläufern und Frühwerken der Fotografie und des Kinos, darunter Rarissima aus dem 16. bis 19. Jahrhundert.

Höhepunkte naturgeschichtlicher Buchillustration – Fische und Pflanzen

Wie häufig finden sich preisliche Spitzentitel bei den illustrierten Werken. Hinreißend schöne Fische prangen auf über 400 prächtig kolorierten Kupfer-Tafeln in dem bedeutenden ichthyologischen Werk von Marcus Elieser Bloch, Abbildungen außergewöhnlicher Exponate seiner eigenen Sammlung. Als ein Highlight der diesjährigen Herbstauktionen bieten Reiss & Sohn Blochs 12 monumentale Bände in einem exquisiten Exemplar zum Schätzpreis von 70.000 Euro an. Für eine der frühesten Beschreibungen der Flora Westindiens, das botanische Prachtwerk „Flore des Antilles“ des französischen Naturforschers de Tussac mit schönen Tafeln in Farbstich, werden 40.000 Euro erwartet.

„Gefälschte Briefe“ des Heiligen Hieronymus und barocke Alchemie

Umfangreich auch das Kapitel mit rund 30 Inkunabeln und ca. 70 Handschriften. Aus angeblichen Briefen der Kirchenväter Augustinus, Cyrillus  und eines angeblichen Eusebius Cremonensis speisten sich die sogenannten „Hieronymus-Briefe“. Diese literarische Fälschung war ein Bestseller im 13. und 14. Jahrhundert, also vor der Erfindung des Buchdrucks. In Königstein kommt nun ein Pergamentkodex der handschriftlichen deutschen Fassung dieser Briefe des Johannes von Neumarkt, Bischof von Olmütz,  zum Aufruf (10.000 Euro). Eine Sammelhandschrift zu Alchemie, Medizin und Okkultismus aus der Zeit von ca. 1670-1740 in 5 profunden Bänden mit bedeutender Provenienz soll 10.000 Euro einspielen.

Fernrohr, Brille, Fotografie, Kino – Beobachten, Sehen und Schauen

Mit dem menschlichen Sehen befasst sich das bedeutende Werk des Bartisch von Königsbrück. Seine „Ophthalmodouleia“ von 1583 begründet die Augenheilkunde als selbständige wissenschaftliche Disziplin. Das reich illustrierte Werk, hier in einem altkolorierten Exemplar, wird auf 30.000 Euro geschätzt. Die bahnbrechende Abhandlung von Louis Daguerre, seine „Historique et déscription des procédés du daguerréotype“, die ihn zum „Vater der Fotografie“ machte, erschien 1839 in verschiedenen Drucken. Vorliegend finden sich die erste und zweite Ausgabe in einem Sammelband vereint (12.000 Euro). Unter frühen Werken zur Optik sticht die Erstausgabe „Peri Optikes“ des mittelalterlichen Mönchs Vitellio heraus. Das Werk vermittelt erstmalig griechisch-arabische Theorien zum Thema. Johannes Kepler, der sein Studium auf diesem Standardwerk aufbaute, bekam ein Exemplar geschenkt. Der Schätzpreis für das Exemplar bei Reiss & Sohn liegt bei 15.000 Euro. Auf den Astronomen und Erfinder Anton Maria Schyrleus de Rheita und dessen Werk „Oculus Enoch et Eliae“ von 1645 gehen die gebräuchlichen Bezeichnungen ‚Okular‘ und ‚Objektiv‘ zurück. (6.000 Euro).  Molyneus‘ „Dioptrica nova“ von 1692 ist bedeutsam als die erste englischsprachige Abhandlung über Optik. Die Brüder Lumière wurden zu ‚Erfindern‘ des modernen Kinos. In Ihrer „Notice sur le Cinématographe“ von 1897, erklären sie ihren Apparat, welcher erstmals die Filmprojektion auf eine große Leinwand ermöglicht (6.000 Euro).

Vom Bäcker bis zum Seiltänzer – Das früheste Bilderbuch für Kinder

Das früheste Bilderbuch für Kinder erschien um 1690 als „Curioser Spiegel des gantzen menschlichen Lebens“ und gibt dem Betrachter in schönen großformatigen Holzschnitten ein anschauliches Bild der unterschiedlichsten Berufsstände der damaligen Zeit. Diese Rarität soll für 10.000 Euro den Besitzer wechseln.

Wie war es doch so schön: Europa in Pracht und Herrlichkeit

Frederick des Wits „Theatrum ichnographicum omnium urbium“ erstaunt mit mehr als 250 prächtigen Ansichten meist europäischer Städte. Das seltene Werk des ausgehenden 17. Jahrhunderts liegt hier in zwei monumentalen Bänden vor(45.000 Euro). In schönstem Altkolorit glänzen 220 Ansichten deutscher Städte in dem ebenfalls herausragenden Städtebuch von Johannes Janssonius, „Urbium totius Germaniae superioris“ von 1657 (35.000 Euro). Unter den zahlreichen Karten und Ansichten, nach geografischen Abteilungen gegliedert, findet sich eine sehr seltene Wandkarte von Europa in 6 Blättern von J. M. Haas, bei Homann Erben 1746 gedruckt (12.000 Euro). Eine der schönsten jemals publizierten Kupferstichansichten ist das grandiose Stadtpanorama von Prag, gestochen von Sadeler nach Bossche und mit stattlichen 3,15 m Breite auch eines der größten. Nicht weniger als 9 Platten wurden für den Druck benötigt (Schätzpreis 20.000 Euro).

Zu den Herbstauktionen erscheinen 2 reich illustrierte Druckkataloge. Das vollständige Auktionsangebot, mit vielen zusätzlichen Abbildungen und durch eine Volltextsuche erschlossen, finden Sie auch auf unserer Website www.reiss-sohn.de . Gerne kontaktieren Sie uns für weitere Informationen.

REISS & SOHN
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