I. Inkunabeln und Handschriften

Los 11
Rudimentum novitiorum. 1475

900.000,00 EUR
(Zuschlag)

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verkauft

The First Printed Topographic Maps

Rudimentum novitiorum. Epithoma partes in sex juxta mundi sex aetates divisum, prius alibi non receptum quod placuit rudimentum novitiorum intitulari. (Lübeck), Lucas Brandis, 5. August 1475. Fol. (39,3:29,2 cm). Got. Typ., 2 Kol. Rubriziert, mit eingemalten Initialen in Blau und Rot. Mit 1 großen altkolorierten Holzschnitt-Initiale über 37 Zeilen, koloriert in Gold und Farben und mit mehrfarbigem eingemaltem Rankwerk über beide Kolumnen; 5 altkolorierten Holzschnitt-Initialen in Gold und Farben über 14-16 Zeilen mit eingemaltem mehrfarbigem Rankwerk, 23 mehrfarbigen eingemalten Initialen über 5-8 Zeilen, 2 doppelblattgroßen Holzschnitt-Karten (Welt und Palästina), 1 ganzseit. Textholzschnitt, ca. 149 (inkl. Wiederh.; 6 altkolorierten) Textholzschnitten in verschiedenen Größen, 37 ganzseitigen genealogischen (inkl. Wiederh.) und 29 ganzseitigen historischen schematischen Holzschnitten. 475 (statt 476; inklusive 2 leere, jedoch ohne das leere Bl. a1) nn. Bll. Blindgeprägter Schweinslederband der Zeit über Holzdeckeln mit 7 (von 8) Messing-Eckbeschlägen, 2 Messing-Mittelstücken und 4 durchbrochen gearbeiteten Messing-Haften; Rücken geweißt, gering bestoßen, Vorderdeckel etwas wurmstichig und fleckig, Rückdeckel nur mit wenigen einzelnen Wurmlöchern. Restauriert (s.u.).

Erster datierter Lübecker Druck - Erste gedruckte topographische Weltkarte - Erste gedruckte moderne Landkarte - Erste gedruckte Karte von Palästina - Erstdruck der 'Descriptio Terrae Sanctae' des Burchard von Monte Sion - Die ersten "Gelehrtenbilder" in Holzschnitt - Früher Abdruck von 29 Fabeln des Äsop

Hain-C. 4996; GW  M39062; BMC II, 550; Schramm X, 1-96; Baer, Historienbücher 183. – Erste Ausgabe der frühen Weltchronik. Ein prototypographischer Meilenstein, der unter anderem bedeutendes kartographisches, geographisches und ikonographisches Wissen zum ersten Mal im Buchdruck vorstellt. Von eminenter Seltenheit. Das Rudimentum war zur Vermittlung grundlegenden Wissens gedacht, vornehmlich wohl für junge Kleriker, aber auch für Personen, die sich keine eigene Bibliothek leisten konnten. "Am Beginn der Lübecker Druckgeschichte steht ein Werk, das seines kolossalen Umfangs und seiner kostbaren Ausstattung wegen zu den hervorragendsten typographischen Denkmälern gehört. Es ist die unter dem Namen Rudimentum Novitiorum bekannte theologisch-historische Enzyklopädie eines ungenannten Verfassers" (G. Kohfeldt. Zur Druckgeschichte des Lübecker Rudimentum Novitiorum vom Jahre 1475. In: Zentralblatt für Bibliothekswesen 24 [1907] S. 26ff). Dem Vorbild des Isidorus von Sevilla folgend ist das Werk in sechs Zeitalter unterteilt. Beginnend mit der Schöpfungsgeschichte wird die Periode des alten Testaments und der Antike in fünf Zeitaltern dargestellt. Von besonderer Bedeutung für die Geographie und die Kartographie sind das zweite und das dritte Zeitalter. Das zweite Zeitalter enthält die bedeutende doppelblattgroße Weltkarte und ein umfangreiches geographisches Lexikon (Bll. 75-107). Im dritten Zeitalter findet sich eine ausführliche Beschreibung des Heiligen Landes und die erste gedruckte Landkarte von Palästina. Die "gewaltige Geschichtsenzyklopädie … umschließt (darüber hinaus) in ihren … geographischen Teilen den Erstdruck der 1283 verfaßten 'Descriptio Terrae Sanctae' des Burchard von Monte Sion, ferner im Anhang das 'Martyrologium' des Usuardus..." (A.-D. von den Brincken. Die Rezeption mittelalterlicher Historiographie durch den Inkunabeldruck. In: Geschichtsschreibung und Geschichtsbewußtsein im späten Mittelalter, 31 [1987], S. 225). Das fünfte Zeitalter bringt Artikel zu Naturwissenschaftlern und Philosophen der Antike, darunter Aristoteles, Bias von Priene, Cicero, Diogenes, Empedokles, Hippokrates, Perikles, Plato, Pythagoras, Sokrates, Sophokles, Xenophon, wie auch 29 Fabeln des Äsop. Das sechste Zeitalter für die Zeit von Christi Geburt bis zum Jahr 1473 behandelt vornehmlich die Historie von Kaisern und Königen, Päpsten und Märtyrern.
Im Handel von größter Seltenheit, insbesondere, wenn wie hier, mit vollständigem Blattbestand und ohne Ergänzungen von Blättern aus anderen Exemplaren. Das Jahrbuch der Auktionspreise nennt für die Jahre 1950-2020  lediglich 1 vollständiges Exemplar (1951 bei Hauswedell & Nolte, Auktion 43 Nr.23), 3 weitere Exemplare waren stark unvollständig. Die Exemplare der Bibliotheken Joost R. Ritman und Otto Schäfer mit Ergänzungen einzelner Blätter aus anderen Exemplaren.

Illustrationen
Das Rudimentum präsentiert sich in reichster Ausstattung mit Holzschnitten von herausragender Qualität. Wenige der Holzschnitte waren von Brandis bereits zuvor für den Druck seiner Josephus-Ausgabe verwendet worden. "Was im 'Josephus' versucht worden war, gedieh im 'Rudimentum' ... zur Vollendung... Ein edler Rhythmus verbindet dort Druck, Ornament und Illustration zu einer derartig einheitlichen Schönheit, dass dieses Buch als mustergültig für die Erzeugnisse der Presse aller Zeiten gelten kann" (Baer, Historienbücher, S. 98ff, ausführlich). Die erste Lage zeigt 19 Stammbaum-Holzschnitte, graphisch als Ketten geformt und meist mit szenischen Darstellungen verziert. Diese blattgroßen Holzschnitte sind Wiederholungen der bereits im Text vorhandenen Stammbäume und fehlen häufig, da sie wohl erst nach dem Abschluss des Druckes von Brandis hinzugefügt wurden. Vorliegendes Exemplar enthält auch das selten vorhandene 11. Blatt dieser ersten Lage mit erneutem Abdruck des Stammbaums von Blatt *5 verso (so auch das Expl. der BSB, vgl. BMC, Anm.). Abgeschlossen wird die erste Lage mit einem blattgroßen Ensemble von 9 Holzschnitten mit Szenen aus dem Leben Jesu. Die Vorlage dazu wurde vielfach kopiert. "Die Originale ... sind verloren gegangen... Die Kopien im Rudimentum ... gehören zu den frühesten und besten; sie sind besonders wertvoll, da ein in den übrigen Kopien-Serien fehlendes Bild, 'Der Auszug der Apostel', unter ihnen enthalten ist" (Baer). Es folgen 7 schöne Holzschnitte zu den Schöpfungstagen, von denen die ersten 6 koloriert sind. Zahlreiche Holzschnitte zu Stadtgründungen zeigen meist einen Regenten, der Arbeitern (Maurern, Handwerkern) Anweisungen erteilt, darunter auch "(S3 ve) ein ziemlich wahrheitsgetreues Abbild der Stadt Lübeck" (Baer; wiederholt auf Bl. *2 ve und m4 ve). Szenen von Belagerungen mit den ersten Handfeuerwaffen, sogenannten "Handrohren", sind in mehreren Abdrucken vorhanden. Die Gelehrten-Biographien mit neun Darstellungen in zahlreich wiederholten Abdrucken, illustrieren "zum ersten Male Philosophen, Dichter und andere berühmte Männer in äusserst charakteristischer Weise im Formschnitt ... Alle sind in einer bestimmten Thätigkeit dargestellt, die meisten schreiben, Aerzte heben ein Harnglas, ... Astronomen betrachten die Sterne. Die 'Gelehrten' gehören zu den bedeutendsten Illustrationen des Buches" (Baer). Die schematischen historischen Darstellungen des 6. Zeitalters führen chronologisch Päpste, Regenten und Gelehrte in drei Kolumnen von Ringen auf. Oberhalb wiederholt eine Darstellung von Papst, Kaiser und einem Gelehrten. Die großen kolorierten Holzschnitt-Initialen haben figürliche Darstellungen im Zentrum. Das prächtige Kolorit der Initialen sowie die eingemalten großen Akanthus-Ranken und die mit Akanthus-Blättern verzierten eingemalten kleineren Initialen überwiegend in Blau-, Grün-, Mauve- und Rot-Tönen an einigen Stellen mit Gold gehöht. Die eingemalten Initialen und Ranken fügen sich in die Verzierung der ebenso kolorierten Holzschnitt-Initialen hervorragend ein. Rubriziert, zahlreiche kleine Initialen in Rot und Blau.

Holzschnittkarten
Das Rudimentum, dessen Druck 2 Jahre vor dem ersten mit Karten versehenen Atlas (Ptolemaeus, Bologna 1477) erfolgte, enthält mit den doppelblattgroßen Holzschnittkarten die beiden ersten gedruckten Landkarten mit topographischen Details. "These are the first to try to show land forms and countries in topographical relation to each other" (Shirley).
Weltkarte. - Shirley 2; The World Encompassed 42. - Zweite gedruckte Weltkarte, vorausgegangen war nur die kleine schematische "T-O" Karte aus dem Isidorus von 1472. Die kreisförmige Weltkarte auf 2 Blatt mit dem dreigeteilten kreisrunden Kartenbild, der symbolischen Darstellung von Ländern durch Berge und den teilweise mythologischen Figuren markiert den letzten Stand und Höhepunkt des mittelalterlichen Verständnisses der Geographie. Sie spiegelt aber mit den halbwegs richtigen Verortungen der Länder zueinander gleichzeitig die moderne Erkenntnis der geographischen Verhältnisse. "It gains vivacity by scattering its place names over a myriad of little hills" (TWE). Erstmals auf einer gedruckten Landkarte genannt werden über 100 Länder, Regionen und Inseln, darunter in Europa: Brabant, Böhmen, Dänemark, England, Finnland ("vinla(n)d"), Griechenland, Kreta, Norwegen, Polen, Rhodos, Rom, Russland ("Moscavia" und "Tarta(r)ea"), Schweden, Venedig, Zypern. In Asien: Arabien, Indien, Judaea, Kikilien, Palästina, Persien, Sri Lanka ("Trabrobana") sowie in Afrika: Ägypten, Äthiopien, Karthago und Lybien. Meere sind in der Darstellung untergeordnet oder symbolisch gezeigt. Deutlich ist nur das Mittelmeer zu erkennen, die Griechischen Inseln und Zypern umgebend. Am unteren Bildrand sind noch Nord- und Ostsee angedeutet. Indien liegt in einem Ozean am oberen Bildrand der dem Garten Eden entspringt, in dem zwei Zweige haltende Männer (Lehrer und Schüler?) stehen.
Palästina. - Laor 128; Loewenhardt 56; Nebenzahl 20; TWE 42. - "The first regional map (arguably the first map) ever printed" (Nebenzahl). Die erste gedruckte Regionalkarte zeigt das Heilige Land geostet aus der Vogelschau mit Jerusalem in der Mitte. Wie schon die Weltkarte ist auch hier das Land durch Berge strukturiert, die von detailliert dargestellten Städten und Siedlungen gekrönt werden. Die Berge sind in ihrem Aussehen gestaltet und von Wegen durchzogen. Als zweitgrößte Stadt ist die für die Seefahrer und Kreuzritter wichtige Hafenstadt Akkon dargestellt. Im Vordergrund das von Segelschiffen befahrene Mittelmeer, oben der See Genezareth und das Tote Meer, am rechten Bildrand das Rote Meer. Das Kartenbild ist umgeben von 8 windblasenden Köpfen. Es finden sich auch einige biblische Szenen auf der Karte, wie Taufe im Jordan, Mose empfängt die Gesetzestafeln und Kreuzigung. Nebenzahl vermutet eine verlorene Karte des Burchard von Monte Sion als Vorbild. Die Beschreibung seines zehnjährigen Aufenthalts in Palästina folgt unmittelbar im Anschluss.

Drucker
Der aus Delitzsch stammende Lucas Brandis (vor 1450-1500?) gründete seine erste Offizin in Merseburg Anfang der 1470er Jahre. Der erste dort datierte Druck ist vom 20.10.1473. Im gleichen Jahr verlegte er seine Offizin nach Lübeck. "Der erste von Lucas Brandis in Lübeck mit Namen und Datum veröffentlichte Druck ist das Rudimentum novitiorum (H 4996) vom 5. August 1475. Zuvor sind aber bereits, wie die schrittweise Erweiterung der Druckschriften zeigt, ein niederdeutsches Psalterium (HC 13520), die umfangreiche Ausgabe der Opera des Flavius Josephus (HC 9450) und mindestens noch zwei kleinere Drucke erschienen" (U. Altmann, Die Leistungen der Drucker mit Namen Brandis im Rahmen der Buchgeschichte des 15. Jahrhunderts, S. 31). Dass Brandis seine Ausbildung bei Fust und Schöffer in Mainz erhielt kann nach U. Altmann nicht als gesichert angesehen werden. 1478/79 wird er nach Magdeburg berufen und leitet dort als Werkmeister den Druck eines Missales für den Prämostratenserorden und den des Missale Magdeburgense. 1483 bis 1499 ist er wieder als Drucker in Lübeck nachweisbar. "Trotz des Dunkels, das über vielen Schaffensjahren von Lucas Brandis liegt, gebührt ihm auf Grund seiner Leistungen ein hervorragender Platz nicht nur unter den Druckern Lübecks, sondern insbesondere unter den ersten Jüngern der Schwarzen Kunst" (Altmann, S.52).

Einband
Der zeitgenössische, reich blindgeprägte Einband kann nachweislich einer böhmischen Werkstatt (Einbanddatenbank w002813) zugewiesen werden die ca. 1478-1487 tätig war. Verwendung fanden u. a. die Stempel: Doppeladler mit Krone (s021330), Drache (s021335), Rosette (s021337), Vogel auf Ast (s021338), Pelikan mit Jungen (s021340), Schriftband (s021342), Böhmischer Löwe (s021352). Je 2 Montagelöcher auf Vorder- u. Rückdeckel lassen einen ehemals vorhandenen "Stabilisator" vermuten (vgl. Adler, Buchverschluss u. Buchbeschlag, S. 111 u. Expl. der Library of Congress). - Behutsam gereinigt und sorgfältig restauriert: linke untere Ecke des vorderen Deckelbezugs (ca. 9:11 cm) ergänzt und mit passender Blindprägung versehen, der dort fehlende Eckbeschlag aus Messing ergänzt und brüniert, die 4 Schließbänder und die 4 Schließen geschickt ergänzt und farblich angeglichen bzw. das Messing brüniert. Die weiße Farbe am Rücken aufgefrischt, einige Nägel der Beschläge ergänzt; vorderes Gelenk restauriert. Vorderes Vorsatzpapier und hinteres freies Vorsatz mit altem Papier erneuert und farblich angeglichen. Heftung mit passendem Heftgarn erneuert. - In moderner Halbleder-Kassette mit goldgeprägtem Pergament-Rückenschild.

Kollation
Die Kollation ist vollkommen identisch mit dem Exemplar der Bayerischen Staatsbibliothek. Das Exemplar der Library of Congress (L. J. Rosenwald Library) ebenfalls identisch, jedoch mit dem im vorliegenden und dem Münchner Exemplar fehlenden leeren Blatt a1. Die erste Lage mit 11 Blatt genealogischer Holzschnitte mit dem häufig fehlenden, einseitig bedruckten Blatt mit wiederholtem Holzschnitt "Ofni & finees". Es folgt der Textteil, recto oben mittig in Blau nummeriert I-CCCCVIII, sowie zu Beginn ebenfalls recto, ab Bl. VIII verso in rot mittig, später in der Innenecke num. 1-409 (lückenhaft und mit Fehlern). Es fehlt das leere erste Blatt (a1) der ersten Lage des Textteils. Am Schluss 56 nicht num. Blätter, die letzten beiden leer. Das erste Blatt jeder Lage im Fußsteg alt mit brauner Tinte nummeriert (1-44).

Provenienz
1. Unbekannter Erstbesitzer, wohl aus Böhmen um 1480. Von diesem in den Abteilungen 1, 2 und 6 sehr zahlreiche sorgfältige und saubere Annotationen in den breiten Rändern und interlineare Anstreichungen, alles in roter Tinte. Schreibmaterial und Duktus lassen auf einen klösterlichen, vielleicht als Rubrikator oder Schreiber tätigen Erstbesitzer schließen. - 2. Vermutlich Jan Jiri Humpolecký z Rybenska (Georg Humpoletz), wohlhabender Adliger aus Mähren. Die wenigen Annotationen in brauner Tinte, sowie auf Bl. XVIII recto (leer) ein im 17. Jh. kalligraphierter Titel in brauner Tinte "Chronologia seu liber historiar(um) veteris & novi testamenti uariarumq(ue) rerum incidentium commemoratio", möglicherweise von seiner Hand. - 3. Wohl Johann Veit Baron v. Schwanenfeld. - 4. Graf Gottfried Ignatz v. Walldorf (1683-1739). Ebenfalls auf Bl. XVIII recto sein 1733 dat. Besitzvermerk. - 5. Franz Kajetan Graf Chorinský (1761-1821). – 6. Österreichischer Privatbesitz.

Zustand
Sehr schönes, hervorragend illuminiertes Exemplar. Durchgängig mit technisch und ästhetisch brilliant ausgeführten Restaurierungen, die häufig nur im Durchlicht deutlich erkennbar sind. Zu Beginn etwas wurmstichig, die Zahl der Wurmlöcher schnell nachlassend. Ganz vereinzelte kleine Flecken, sonst sehr sauber. Das weiße Papier der unteren Außenecke durchgehend ergänzt. Die ersten ca. 100 Bll. auch am weißen Fußsteg mit Ergänzungen. Vereinzelt auch Papier an Kopf-, und Außenstegen oder Blatträndern ergänzt. An insgesamt 19 Stammbaumholzschnitten Teile der Darstellungen meist am unteren Rand oder den unteren Ecken perfekt mit Tusche nachgezeichnet. Wenige der Stammbaumholzschnitte am Kopf gering angeschnitten. Blatt c1 (XVIII) stärker wurmstichig, und mit handschriftlichem Titel und Besitzvermerk recto auf der leeren Seite versehen (s.o.), an 3 Seiten angerändert, dabei der Holzschnitt unten sowie die blaue Foliierung nachgezeichnet. Dieses Blatt war wohl im 17. und 18. Jahrhundert zu Beginn eingeheftet. Bei der Weltkarte die unbedruckten Ränder teilweise ergänzt, dabei nur an der linken Hälfte der Karte die Einfassungslinie oben auf ca. 2 cm Länge nachgezeichnet. Die Palästina-Karte, wie fast immer, unten bis in die Darstellung beschnitten, oben nur der rechte Kopf des Windbläsers angeschnitten, sowie beide untere Außenecken (ca. 9:2,5 cm) ergänzt und perfekt nachgezeichnet. Die blauen u. roten Initialen im nicht foliierten Martyrologium stellenweise etwas durchschlagend. An den letzten 5 Blättern (2 leere) ein ca. 15:17 cm großes Stück der unteren Außenecke ergänzt, dabei die letzten 10-11 Zeilen der jeweils äußeren Kolumne und wenige Buchstaben der inneren Kolumne perfekt nachgezeichnet. Der eigentliche Druckvermerk im mittleren Teil der letzten Kolumne ist im Druck erhalten. Alter hs. Titel des 16. Jahrhunderts auf dem ersten Blatt unten. Zahlreiche Annotationen u. Anstreichungen des Erstbesitzers in Rot (s.o.). Wenige kleine Annotationen in brauner Tinte zwischen den Kolumnen, ganz vereinzelt auch im Text. 2 Seiten mit je einer längeren handschriftlichen Annotation d. 18. Jh. Blasse Tintenverwischung auf der leeren Seite von Bl. t3 (CLXXVI). Fehlt das leere Bl. a1. - Detaillierte Zustandsbeschreibung auf Anfrage.

First and Only Edition of the Book with the First Topographic Maps ever Printed - The Earliest Dated Lübeck Printing - First Printing of the Account on Palestine by Burchard of Monte Sion - First Printed Map of the Holy Land - First Portraits of Scholars to Appear in a Printed Book - Early Appearance of 29 Fables of Aesopus in Print

A milestone of prototypography. Introduces amongst others for the first time in a printed book important cartographic, geographic and iconographic knowledge. The Rudimentum is a universal chronicle of the world, conceived as an elementary book for young clerics and as a manual for readers who could not afford a whole library. Following the schedule of six eras introduced by Isidorus, parts 1-5 deal with events from the Old Testament and the ancient world. The 6th part is on the Christian era up to 1473. The second and third part are of high importance in geographic and cartographic aspects. The second part contains an extensive encyclopedia on geography accompanied by the important world map. The third part comprises the first printing of the 'Descriptio Terrae Sanctae', an account written in 1283 by Burchard of Monte Sion of his 10-year visit to Palestine. This part also encloses the first printed map of Palestine. The last section comprises an early printing of the Martyrology of Usuard. The Rudimentum served as a model for the extremely successful French version 'La mers des hystoires' (1488 and later).
Of outstanding scarcity, especially when not supplemented with leaves from other copies as for instance the ones from the libraries of Joost R. Ritman and Otto Schäfer. The German „Jahrbuch der Auktionspreise“ lists for the years 1950-2020 one complete copy at auction only (1951 at Hauswedell & Nolte, Sale 43 lot 23), 3 further copies auctioned in Germany were very incomplete missing up to over 200 leaves.

Illustration and Illumination
One of the earliest illustrated books from Lübeck, the Rudimentum offers a large number of woodcuts, some beeing the first of their kind. With 1 large woodcut-inital (37 lines) with floral decoration extending into margins over both columns, all in contemporary gold and colours; 5 contemp. coloured  woodcut initals (14-16 lines) in gold and colours with fine acanthus decoration, 23 hand-painted initials in various colours (5-8) lines, 2 double-page woodcut-maps (World and Palestine) 1 full-page woodcut in the text, ca. 149 (incl. repeats; 6 contemporary coloured) woodcuts in the text, 37 full-page genealogical woodcuts (incl. repeats) and 29 full-page historical woodcut diagrams. The book opens with a quire of 19 full-page genealogical tables shaped as chains partly decorated by scenic woodcuts. These tables are repetitions from the principal part of the book and were presumably added by the printer after the printing of the principal part had been finished. This quire is often missing. The present copy shows an additional leaf with a further repetition of the table from leaf *5 verso bound in at the beginning (similar to the copies held by the Library of Congress and the Bavarian State Library Munich). This quire ends with a set of 9 woodcuts depicting scenes from the life of Christ and form a full-page illustration. The first part opens with 7 fine woodcuts illustrating the days of the creation, 6 of which with fine contemporary colouring by hand. Scenes of the foundation of cities show bricklayers and craftsmen and scenes of sieges of cities with the use of the first firearms invented illustrate the following parts. Of high importance are the first woodcuts showing various scholars writing or reading, illustrating numerous biographic entries of ancient scientists, poets, philosophers and medics. 29 tables on popes, regents and scholars illustrate the final section. Five parts open with a highly decorative woodcut initial with bright contemporary colouring, some accompanied by large painted tendrils of acanthus leaves. Another 23 smaller initials painted in 3-5 colours and lavishly decorated with acanthus leaves perfectly match the style of the large woodcut initials. Rubricated, small initials supplied in red and blue.

Maps
Printed two years prior to the first illustrated atlas and with the exception of a single "T-O" diagram from 1472 in the work of Isidorus Hispalensis, the Rudimentum contains the first ever printed topographic maps.
World Map – Large circular world map with a diameter of 38 cm printed on two sheets. "The world map derives from a Christianised medieval tradition without any reference to either Ptolemaic or Portolan sources, and is a vivid piece of cartographical design" (Shirley 2). It shows more than 100 names of countries, regions or islands spread over a huge number of hills forming the surface. All of the named countries and places like Arabia, Crete, Cyprus, Egypt, England, Greece, India, Rhodos, Russia and many more appear here for the first time on a printed map. Numerous buildings representing towns, crowned sovereigns representing kingdoms and mythological figures are shown. This map marks the last state and climax of medieval understanding of geography but also, with the halfway correct locations of the countries in relation to each other, it simultaneously reflects a surprisingly modern realisation of the geographical conditions.
Palestine – The double-page map of Palestine is the first printed regional map. It presents a bird's eye view over the hills of the Holy Land showing Jerusalem in the centre and Acre (Akko) to the left, both with detailed depiction of buildings. The map is orientated to the east with the Sea of Galilee and the Dead Sea at top, the Read Sea to the right and the Mediterranean at the bottom. A large number of cities are named and shown with small buildings. Eight wind blowing heads surround the map. Nebenzahl suspects that a lost map by Burchard of Monte Sion was the model. The map is followed by the text of Burchard's description of Palestine.

Binding
Beautiful contemporary blind-stamped pigskin over wooden boards by a so far unnamed bookbinder from Bohemia (Einbanddatenbank w002813) working approx. from 1478 to 1487. With 7 (of 8) brass corner pieces, 2 brass center pieces and 4 brass catches. The circular or rhombus-shaped stamps showing a crowned double-headed eagle (s021330), a dragon (s021335), a bird on a leaf (s021338), a pelican with hatchlings (s021340), the Lion of Bohemia (s021352) and others. – Carefully cleaned and expertly restored: Missing lower left corner of leather from front cover, corresponding brass corner piece, leather straps and brass clasps supplemented to style. Some of the nails renewed. The later white painted spine retouched, front joint restored. Front endpapers and free rear endpaper renewed using old paper. Stiching expertly renewed. Housed in recent half-calf clamshell box.

Collation
The collation of the present copy is identical to the copy held by the Bavarian State Library Munich. The Lessing R. Rosenwald copy at the Library of Congress has the same collation but preserves the blank leaf a1 that the present copy as well as the Munich copy are lacking. Leaves a2 to T12 numbered by hand in blue at top margin "I-CCCCVIII" and additionally in red (mainly at verso and erroneously) "1-409", followed by 56 not numbered (including the final two blank) leaves. Quires numbered in brown ink at bottom margin of first leaf "1-44" probably by the bookbinder.

Provenance
1. Unidentified friar (?) presumably of Bohemia. His neat annotations to parts 1, 2, and 6 in red ink from about 1480 on the wide margins, rarely in the text and extensive underscoring by the same hand to these parts. Elegant style and placement as well as the type of ink used suggest they come from an experienced writer, maybe a rubricator. – 2. Presumably J. J. Humpolecký z Rybenska. – 3. J. V. Baron v. Schwanenfeld. - 4. G. I. Count v. Walldorf (1683-1739; his ownership inscription to one blank page). - 5. F. K. Count Chorinský (1761-1821). – 6. Austrian private property.

Condition
Wide-margined copy, beautifully illuminated. Some marginal restorations expertly executed, the majority only recognizable when backlit. Some decreasing worming to first quires. Insignificant small brown spots on few pages. Remargined throughout at blank lower outer corner. The first 100 leaves remargined at white bottom margin, a few also at top- or outer margin, only affecting 19 of the 37 genealogical tables mainly at lower end or lower corners, everything perfectly redrawn. Few of the genealogical tables somewhat cropped at head. Heavier worming to leaf c1, remargined affecting parts of woodcut verso (this and the blue foliation perfectly redrawn) and with 17th century ms. title and owner's inscription of Count Walldorf, dated 1733 to blank recto. Due to the inscriptions and the condition it is obvious that this leaf had been bound in at the front during the 17th and 18th century. The world map partly remargined affecting only 2 cm of the outline at top margin of the left sheet, carefully supplied. Map of Palestine trimmed at bottom (as almost always) with some loss to the Mediterranean Sea. Top end of the head of the windblower at upper right corner touched by binder's knife. Lower outer corners restored and redrawn at approx. 9:2,5 cm. More severe loss at lower outer corner of the last 5 leaves (including the last 2 blank leaves) with 10-11 lines of the outer columns and a few letters of the inner columns redrawn. The lines of the actual imprint at the last column not affected. Few of the blue and red initials from the unfoliated Martyrology visible on the back. Small inked-in title (5 short lines) from the 16th century to recto lower right corner of first leaf. Extensive annotations in neat handwriting and underscoring with red ink (see above). Occasionally short annotations in brown ink between columns, very few in the text. 18th century ms. annotations to 2 pages. Faint ink-smudging to blank verso of leaf t3 (CLXXVI). Lacking 1 blank leaf (a1). – Detailed condition report available on request.

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