Auktion 211-213

Los 1 *#
Biblia Sacra, Mss. um 1240-50

65.000,00 EUR
(Zuschlag)

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65.000,00 EUR
(Zuschlag)

Auktionsablauf:

25.10.2022 / Los 1-44 / Sitzungsbeginn 13.00 Uhr

Biblia sacra. Lateinische Handschrift auf Pergament. Östliches Oberitalien, viertes oder fünftes Jahrzehnt 13. Jahrhundert. Blattgr.: 19,3:13,5 cm. Schriftspiegel: 13,3:9,2 cm. 53 Zeilen in 2 Spalten. Geschrieben von mehreren Händen in sehr kleiner gotischer Minuskel südeuropäischer Prägung. Rubriziert und mit Seitentiteln versehen, zahllose kleine Anfangsinitialen in Rot und Blau mit etwas steifem Fleuronné, letzeres teils länger über die Spalte auslaufend. Mit 99 (davon 24 historisierten) Schmuckinitialen in Deckfarbenmalerei von 2 Buchmalern mit teils über die gesamte Spalte reichenden Ausläufern. 389 Bll. (im Spätmittelalter Bl. 1-371 auf der Rückseite oben mit roten römischen Ziffern gezählt, die nachfolgenden 18 Indexbll. [s.u.] nicht foliiert ). Unverzierter heller Ledereinband des Spätmittelalters über Holz, beide Deckel (Vorderdeckel lose) versehen mit je fünf einfachen Buckeln und zwei Langschließen; ein Titelschild auf dem Vorderdeckel verloren; auf dem Rücken neuzeitlich beschriftet: Biblia Integra M: S: und K. 50. Vorderer Innendeckel mit eingeklebtem Papierfragment aus der Zeit um 1400 mit einem logischen Text, der hintere Innendeckel mit eingeklebtem Pergamentfragment einer lateinischen Urkunde mit Erwähnung der Länder Dacia, Bohemia, Polonia und u.a. des Namens Nikolaus von Dinkelsbühl, dem berühmten Gründer der Wiener Universität. Vorne und hinten jeweils ein Vorsatzblatt (das Verso des vorderen im Spätmittelalter mit einem Verzeichnis der biblischen Bücher beschrieben).

Eine der ungewöhnlichsten Bibelhandschriften des 13. Jahrhunderts, der Forschung bisher gänzlich unbekannt. Sie stellt eine der frühesten italienischen Nachahmungen der Pariser Taschenbibel dar, einer erst am Anfang des 13. Jahrhunderts ausgebildeten Bibelausgabe, die in den weltlichen Ateliers der Seine-Stadt immer in kleiner Schrift und auf dünnstem Pergament vervielfältigt wurde und eine standardisierte Textanordnung, Gliederung und Prologauswahl besitzt. Auch unsere italienische Bibel ist auf sehr feines Pergament geschrieben, auch wenn ihr Format etwas größer ist als das der üblichen Pariser Bibel.



Text: Die biblischen Bücher in der Reihenfolge Gn, Ex, Lv, Nm, Dt, Jos, Idc, Rt, 1 Sam, 2 Sam, 3 Reg, 4 Reg, 1 Par, 2 Par, Is, Ier, Lam, Bar, Ez, Dan, Proph. min., Ps, Esr, 2 Esr, Tob, Idt, Iob, Est, 1 Mcc, 2 Mcc, Prov, Ecl, Cant, Sap, Sir, Mt, Mc, Lc, Io, Ep. Paul., Act, Ep. can., Apc. Fol. 372r–385r schließt sich der verbreitete Index nominum Hebraicorum sowie fol. 385r–389v ein alphabetisches Glossar an, anscheinend basierend auf dem Liber qui dicitur Angelus.

Bildprogramm: Der opulente Buchschmuck ist für eine Bibel wie diese ungewöhnlich, aber nicht einzigartig. Die Illuminierung erfolgte in zwei unterschiedlichen Stilrichtungen, die aber gleichzeitig sind und beide auf das östliche Oberitalien, also Venedig oder Padua, als Entstehungsort hinweisen. Der lebendige, fast noch spätromanische Stil, der bis Bl. 182v von mindestens zwei Buchmalern in historisierten Initialen gepflegt wird, findet sich ähnlich in der oberitalienischen Bibel Florenz, Biblioteca Medicea-Laurenziana, Conv. Soppr. 593, die von Alessandro Conti als Vorläuferin der gotischen Bologneser Buchmalerei bezeichnet wurde.



Im hinteren Teil der Bibel erscheinen kräftig geformte Zierbuchstaben, die mit abstrahierten Pflanzenmotiven und amöbenartigen Formen verziert und mit stets rotgerandeten eckigen blauen Feldern hinterlegt sind. Auch die Farben der Initialkörper stehen fest, nämlich Lila, Grün und vor allem leuchtendes Orange und Rot. Die buchmalereitypische matte Farbigkeit konterkariert etwas den Versuch, den Buchstaben plastische Wirkung zu geben. Sehr ähnliche Initialen enthält die formatgleiche oberitalienische Bibel Hs I 381 der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek Mainz. Auch die Initialen des zweiten Stils im Neuen Testament enthalten figürlichen Schmuck. Der jugendliche Evangelist Matthäus im L vor seinem Evangelium fol. 297v ist eine schöne, stark von byzantinischen Einflüssen geprägte Figur, die einen guten Vorausgeschmack der nordostitalienischen Buchmalerei der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gibt.



Das Bildprogramm der historisierten Initialen im vorderen Teil ist noch nicht Konventionen erstarrt, ja fast exzentrisch. So zeigt die große Genesis-Initiale zum In principio fol. 4r nicht das Sechstagewerk oder den Sündenfall, sondern zuoberst Christus als Logos und somit Weltschöpfer sowie darunter zwei nackte Halbfiguren, wohl Adam und Eva. Unter ihnen erscheint nochmals Christus, diesmal in eindeutiger Bitthaltung. Zusammen mit dem sich selbst verschlingenden Drachen im Initialfuß mag dies auf sein Erlösungswerk für die Schöpfung hinweisen.

Singulär ist unter anderem auch die Illustrierung der Lamentationes des Jeremiah, wo im Initialbild fol. 178v die Verkündigung an Maria dargestellt ist und nicht etwa die Beweinung Jerusalems durch den Propheten. Das Bild muss sich auf die einzige hoffnungsvolle Stelle der Klagelieder beziehen, Lam 4,22: „Zu Ende ist deine Schuld, Tochter Zion; nicht wieder führt er dich in Verbannung“.

Unterhalb von Text und ornamentaler Initiale zum Buch Deuteronomium ist fol. 56r wohl der Stifter, ein Benediktiner, in verehrender Haltung dargestellt. Rätselhaft bleibt, worauf sich seine Verehrung hier bezieht.



Illuminierung: Vor jedem biblischen Buch und vor jeder Vorrede findet sich eine Deckfarbeninitiale, in 24 Fällen sind sie mit Figuren oder Szenen geschmückt, ferner zeigt über ein Dutzend Gesichter oder Drachen, so auch im zweiten Stil fol. 21v und 361v und vor allen Briefen des Apostels Paulus. Zudem enthalten alle vier Initialen vor den Evangelien Darstellungen der Autoren.

Historisierte Initialen des 1. Stils: fol. 1ra, mit Bischof (Papst Damasus?); fol. 3ra, mit Abt am Pult (Hieronymus?); fol. 4ra, Genesis-Initiale; fol. 33va, mit antikischer Figur (Moses); fol. 75vb, mit Prophet vor der Hand Gottes; fol. 83vb, die Initiale als Säule mit darauf einer nackten Gottheit; fol. 84vb, mit schreibendem Propheten; fol. 85va, 86rb, 97va,106vb,107va, mit Königen in verschiedenen Haltungen; fol. 117 vbfol. 161vb, mit thronendem Propheten; fol. 162ra, mit dem trauernden Jeremiah; fol. 178vb, mit Verkündigung an Maria; fol. 180rb, mit thronendem Propheten; fol. 182rb, mit zwei Israeliten, die einen Stier anbeten und einem stürzenden Mann; fol. 182va, mit den beiden Kundschaftern mit der Traube aus dem gelobten Land (nach Num 13–14!). - des 2. Stils: fol. 297va, 307rb, 313ra, 323va, jeweils mit dem Evangelisten; 342ra, mit Paulus mit Schwert in der Hand; fol. 331va, 345vb, 351va, 352vb, 353vb, 354vb, 355va, 356rb, 356vb, 357vb, 358rb, 358vb, mit Gesicht oder Büste des hl. Paulus.

Zustand: Das vordere Vorsatzblatt und die ersten drei Blätter des Corpus mit Wasserfleck rechts oben, die Ränder dieser Blätter sind etwas beschädigt, sonst nur sehr vereinzelt etwas fleckig oder unwesentlich fingerfleckig, Blatt 3 auch eingerissen. Auf einigen Seiten sind Deckfarben der Initialen abgeblättert und die Tinte etwas verblasst. Fol. 371 unten mit Randabschnitt. Ansonsten ist der Codex in einem guten Zustand mit teilweise sehr hellem Pergament. Mittelalterliche Randnotizen auf einigen Seiten.

Provenienz: Im Spätmittelalter in der erst 1380 gegründeten Kartause von Aggsbach in der Wachau. Der Besitzeintrag fol. 297v erwähnt, dass der Prior der Kartause die Bibel einem Priester in Italien abgekauft habe (zwei weitere Besitzeinträge fol. 331r und 371v): Iste liber est Domus Porte beate Marie in Axpach, Ordinis Carthusiensis. Et est emptus per dominum Johannem priorem a quodam sacerdote In Ytalia. In Aggsbach erhielt die Bibel wohl den schmucklosen Einband, die Blattzählung und die auf dem Rücken vermerkte Signatur K. 50. Wohin die Handschrift nach der Auflösung des Klosters 1782 zunächst gelangte, ist ungeklärt. Seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts befindet sie sich in einer deutschen Privatsammlung. - Ergänzung zur Provenienz: kurz vor der Auktion erhielten wir neueste wissenschaftliche Recherchen zu Provenienz. Demnach gelangte der Band frühzeitig in das Stift Göttweig und wurde vermutlich in den 30iger Jahren des 20. Jahrhunderts im Zuge von Verkäufen abgegeben. Katalogeinträge im Bibliothekskataloge von 1939 und 1952 vermerkten ein Fehlen der Handschrift, Näheres auf Anfrage.

Biblia sacra. Latin manuscript on vellum. Upper Italy, 1240-1250. Richly illuminated with 99 partly large decorated initials, 24 of which being historiated. - This Bible, still unknown to researchers, is one of the most unusual Bible manuscripts of the 13th century. It represents one of the earliest Italian imitations of the Paris Pocket Bible, a Bible edition that was only formed at the beginning of the 13th century and was always reproduced in the secular ateliers of the Seine city in small type and on the thinnest parchment, with a standardised text arrangement, outline and prologue selection. Our Italian Bible is also written on very fine parchment, even though its format is somewhat larger than that of the usual Paris Bible. The opulent book decoration is unusual for a Bible like this, but not unique. The illumination was done in two different styles, but they are simultaneous and both point to eastern Upper Italy, i.e. Venice or Padua, as the place of origin. The lively, almost late Romanesque style, which is cultivated by at least two illuminators in historiated initials up to fol. 182v, is similarly found in the Upper Italian Bible Florence, Biblioteca Medicea-Laurenziana, Conv. Soppr. 593, which was described by Alessandro Conti as a precursor of Gothic Bolognese illumination.

Condition: The front endpaper and the first three leaves of the corpus with a water stain at the upper right, the margins of these leaves are somewhat damaged, leaf 3 also torn. On some pages colours have flaked off and the ink is somewhat faded, else only little staining here and there, and minor fingermarking. Fol. 371 lower margin cut. Otherwise the codex is in good condition with partly very light parchment. Medieval marginal notes on some pages.

Binding: sheep-skin binding of the late Middle Ages over thick wooden boards, each with five simple bosses and two long clasps and catches; a title label on the front cover lost; inscribed on the spine in modern times: Biblia Integra M: S: and K. 50. The front cover is detached from the binding. A paper fragment from the time around 1400 with a logical text pasted to front inner cover, a parchment fragment of a Latin document pasted to back inner cover with mention of the countries of Dacia, Bohemia, Polonia and the name of Nikolaus of Dinkelsbühl, famous founder of the University of Vienna. - Provenance: see German description.- Important addition to the provenance: shortly before the auction, we received the latest scholarly research on provenance. According to this, the volume came to Göttweig Abbey early on and was presumably sold off in the 1930s. Catalogue entries from 1939 and 1952 noted that the manuscript was missing from the catalogue. More details on request.

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