Auktion 211-213

Los 116 *
Jacobi/Widemann, Christlicher Trostbrieff. MSS

verkauft

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verkauft

Auktionsablauf:

25.10.2022 / Los 101-192 / Sitzungsbeginn 14.15 Uhr

Augsburger reformatorisches Gebetbuch

Jacobi, J. Ein Christlicher lieblicher Trostbrieff, wie und womit sich ein Christ, im Creutz unnd trübsal tröste(n) sol. - Ein Vermanung von dem Heyligen hochwirdigen Sacrament des waren Leibs unnd Bludts unsers Herren und Heylands Jhesu Cristi. Zwei zusammengehörige deutsche Handschriften auf Pergament, eine mit lateinischen Einschüben. Augsburg 1566-1567. Blattgr.: 11,3:7,5 cm, Schriftspiegel 8,5:5,7 cm. 21 Zeilen. Renaissance-Fraktur und italienische Kursive (lat. Einschübe) in schwarzbrauner Tinte. Nomina sacra in kalligraphischen Versalien, im Wechsel Gold, Blau u. Rot, oder Gold u. Schwarz; Versalien in Rot sowie für lat. Textstellen in Gold. Zahlreiche Überschriften in Rot, Blau und Gold und mit Federwerk. Mit zusammen 3 großen farbigen und goldgehöhten Miniaturen die von mehrfarbigen floralen Bordüren eingefasst und von Texten in Kartuschen mit Rollwerkverzierungen begleitet werden, sowie 20 historisierten Initialen in Gold und Farben. 25; 19 Bll. Kastanienbrauner Samteinband des 19. Jh. mit goldgepr. Monogramm "AB" auf beiden Deckeln uind Goldschnitt; Kanten etwas berieben, vorderes Gelenk ca. 4 cm eingerissen. In rotem geschlossenen Maroquin-Schuber d. 19. Jh. mit goldgepr. Rtit.; geringe Gebrauchsspuren.

Zwei von dem Augsburger Bürger Enderis Widemann in bestechender Präzision kalligraphierte Handschriften, prachtvoll illuminiert, gemeinsam ein Andachts- und Gebetbuch bildend. Das kleine Format und der umfangreiche Text erfordete eine sehr feine Schrift, die Widemann außerordentlich reich mit Initialen und Buchstaben in Gold und Farben schmückte. Jede der Handschriften mit eigenem Kolophon: "Geschrieben unnd volendt durch Enderis Widemann zu Augspurg den 5 tag Septemberis Anno 1566" sowie "A(nno) d(omin)i Januari Im 1567 Jar ist dieses Biechl geschriben unnd gar volendt, Durch Enderis Widemann Bürger zu Augspurg". - Die erste Handschrift enthält den vollständigen Text (ohne Widmung und Vorwort) des 1551 in Leipzig gedruckten Gebetbuchs 'Ein Christlicher lieblicher trostbrieff' des aus Nordhausen stammenden Leonhard Jacobi (VD 16, J 65). Die zugehörige große Miniatur (6,3:5,6 cm) zeigt im Vordergrund den Kampf Jakobs mit dem Engel, dahinter öffnet sich eine weite Landschaft und in der Ferne sind das Heer Esaus und die Herden Jakobs zu erkennen. In der Kartusche darüber der Vers Genesis 32:28. Die großen Initialen (2,3:2,3 cm) in Rot oder Gold auf mit Gold und Farben detailreich gemalten Hintergründen: äsender Hirsch, Johannes auf Patmos, Hase u. Ziege, Hl. Georg mit dem Drachen kämpfend, Knabe vor einem Bischof knieend, Hl. Petrus (?). - Die zweite Handschrift beginnt mit den Texten zum Abendmahl und endet mit Vater Unser und Danksagung (F2r - G3v). Es folgen Gebete des württembergischen Theologen und Reformators Jakob Andreae (1528-1590) "so der Mensch vor dem Nachtmahl mit Gott ... reden soll", (G4r - H3v). Anschließend 4 weitere Gebete: "Nun folgen Ettliche Gebet welche J. Susanna Schwaygerin Selig, noch inn ihrem lebe(n) so herzlich lieb gehabt hat." Die zu dieser Handschrift gehörenden beiden Miniaturen (je 6,3:5,6 cm) auf dem Blatt zwischen G1 u. G2. Recto: das Lamm Gottes mit Banner auf einem Altar, in der dahinter liegenden gebirgigen Landschaft rechts Johannes der Täufer auf Christus weisend und links in der Ferne die Taufe Christi im Jordan. In der Kartusche der Vers Johannes 1:29. Verso: das letzte Abendmahl in einem Refektorium mit gewölbter Decke, Judas verlässt gerade den Tisch. In der Kartusche der Vers Korinther 11:26. Die Initialen mit den Darstellungen Adam u. Eva, Hl. Jakob, David im Gebet, Verkündigung, Jonas und der Walfisch, versch. Heilige u.a. Ob Widemann auch der Künstler der prächtigen Miniaturen und Initialen ist können wir nicht ermitteln. Die Zusammengehörigkeit der beiden gleichartigen Handschriften ist durch die vom Schreiber angegebenen fortlaufenden Lagensignaturen erwiesen: B6 (B1 aus 2 Blatt, die leeren Rück- und Vorderseiten zusammenmontiert), C0 (mit Miniatur, verso leer), C-E6 (Text von I. endet auf E5 verso, E6 leer), F6, G1, G0 (je 1 Miniatur recto u. verso), G2-H6. Eine Lage A existiert nicht, der Textbeginn auf Blatt B2 lautet wie in der gedruckten Ausgabe von 1551 "Der erste heißt ORATIO, Gebet..." Einen Schreibmeister mit dem Namen Endris (Endres, Andreas) Widemann (Wiedemann, Widmann) konnten wir nicht ermitteln. Die Familie Widemann ist in Augsburg jedoch im 16. Jahrhundert mehrfach nachzuweisen, darunter 3 Generationen von Bierbrauern mit Namen Endris Widemann. - Angestaubt und fingerfleckig, vereinzelt kleinere Feuchtigkeitsflecken, die Bordüren und das Rollwerk der Kartuschen teilweise gering angeschnitten. - Provenienz: vorderes Vorsatz mit hs. Eintrag "Amy Bedford from R.B., 1861" (hierzu wohl auch das Monogramm auf den Buchdeckeln). - Marquess of Bute. Sothebys Auktion 1983: The Bute Collection of forty-two illuminated manuscripts and miniatures. - Schweizer Privatbesitz.

Two fine illuminated German Renaissance manuscripts from Augsburg, together forming a rare reformatoric devotional and prayer book. With 3 large miniatures in floral borders and 20 historiated initials, all lavishly painted in gold and colours. - Some soiling and thumbing, little occasional blurring, the borders of the miniatures little cropped. Bound in 19th cent. full-velvet, gilt monogram "AB" to both covers; edges little rubbed, front joint partly split. Housed in 19th cent. full-morocco slipcase with corresponding lid.

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