Los 38
Pfinzing, Methodus geometrica. 1598
verkauft
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Auktionsablauf:
25.10.2022 / Los 1-44 / Sitzungsbeginn 13.00 Uhr
(Pfinzing, P.). Methodus geometrica. Das ist: Kurtzer wolgegründter unnd außführlicher Tractat von der Feldtrechnung und Messung, wie solche zu Fuß, Roß und Wagen... allain durch sonderbare behende und leichte Instrumenta... zugebrauchen. Nürnberg, V. Fuhrmann, 1598. Fol. (32,5:21 cm). Mit 22 (st. 23, fehlende faksimiliert) beidseitig bedruckten Holzschnitttafeln sowie zahlr. Holzschnitt-Zierleisten, alles in prachtvollem und goldgehöhtem Altkolorit. 3 (st. 4) Bll. (der fehlende Titel faksimiliert), 45 S., 1 w. Bl. Mod. flex. Prgt. aus einem alten Manuskriptblatt. In dekorativer Maroquinkassette.
VD 16, P 2374; Ornamentstichkat. Bln. 1708; Lipperheide Cg 66; Bibl. Deutsches Museum, Libri rari 218; Honeyman 3286 ("very rare"); Nagler, Monogr. IV, 3201; Doppelmayr 82 f.; TMM III, 419. - Erste Ausgabe der Vermessungslehre Pfinzings. Wie auch sein "Soli deo gloria. Ein schöner kurtzer Extract der Geometriae unnd Perspectivae" (Nürnberg 1599) von großer Seltenheit und nur in kleiner Auflage für Freunde gedruckt. "Diese beede Opera waren nicht zum verkauffen, sondern nur guten Freunden, die das Studium mathematicum liebten, zu einem Geschenck von dem Herrn Auctore destiniret" (Doppelmayr). "P.s Methodvs geometrica gilt als das erste ausführliche Lehrbuch der Kartographie in deutscher Sprache. P. geht darin auf Längen- und Flächenmaße und auf Flächenbestimmungen ein und lehrt u. a., die Größe einer Fläche durch Auswiegen zu bestimmen. Die praktischen Verfahren der Feldmessung werden ausführlich in Wort und Bild dargestellt. Die wichtigsten Hilfsmittel im Gelände waren der Marschkompaß und uhrenförmige Schrittzähler; die gemessenen Winkel und Strecken wurden auf einem von P. entworfenen Konstruktionstisch zu einer Karte verarbeitet" (NDB XX, 335). Die vorliegende Abhandlung gilt als eine der frühesten, die vor allem mit dem Kompass operiert. Mit etlichen Darstellungen von Kompass und Richtscheit, ihrer Anwendung im Feld und bei der Höhenbestimmung (ausgebreitete Ideallandschaften), Koordination multipler Meßergebnisse etc. Die Holzschnitte zeigen ferner den Geodäten (jeweils mehrfach) beim Visieren, zu Roß und zu Wagen, sowie in der Gelehrtenstube beim Kartenzeichnen, alles in feinem Altkolorit.
"Noch völlig unbekannt ist, daß Pfinzing ein Lehrbuch der Kartographie schrieb. Es wurde im Jahr 1598 in Nürnberg gedruckt und trägt den Titel 'Methodus geometrica'. Es ist in deutscher Sprache abgefaßt, überaus leicht verständlich geschrieben und behandelt alle Gebiete der praktischen Kartographie von der Aufnahme im Gelände bis zur Konstruktion der Karte am Zeichentisch, außerdem erläutert es auch alle dazu benötigten technischen Geräte. Daß das Buch so lange unbemerkt blieb, hat zwei Ursachen. Einmal wurde es nur in ganz geringer Auflage gedruckt; das ersieht man schon daraus, daß die Druckstöcke - sie waren bis zum Jahr 1945 alle noch vorhanden - kaum abgenützt sind. Die Kunst Karten herzustellen war damals ja noch ein Staatsgeheimnis erster Ordnung. So kam es, daß uns heute nur ganze fünf Stück erhalten geblieben sind ... Der andere Grund ist, daß an keiner Stelle des Buches sein Verfasser vermerkt ist, nur der Drucker, Valentin Fuhrmann, hat sich genannt ... Ursprünglich waren natürlich mehr als fünf Exemplare vorhanden, ja eine Anzahl davon muß sogar mit Wasserfarben bemalt gewesen sein, denn wir kennen einen Rechnungsbeleg vom Jahr 1601, in dem die Rede davon ist, daß 6 Stück des Buches zum Preis von je 4 Gulden farbig bemalt wurden. Leider wurde davon bis heute noch keines aufgefunden. Das Buch stellt praktisch Pfinzings kartographisches Testament dar, denn alles ist darin bis ins Kleinste so genau beschrieben, daß auch ein der Vermessung Unkundiger Pfinzings Nachfolge hätte antreten können" (E. Gagel, Pfinzing ein vergessener Kartograph. In: Erdkunde, Bd. 11 [1957], Nr. 2, S. 117-124). Vgl. auch Gagel/Schelbögl, Pfinzing. Der Kartograph der Reichsstadt Nürnberg (1554-1599). Schriftenreihe der Altnürnberger Landschaft, Band IV (1957.). - Große Holzschnitte teilw. unter Verlust der Einfassungslinie beschnitten und leicht ausgefranst. Unterer Rand mit Fingerspuren und durch Feuchtigkeit etwas in Mitleidenschaft gezogen, einige Textblätter und wenige Tafeln dort mit teilw. Papierfixierungen und -ergänzungen, jedoch ohne Textverlust. Titel und Tafel zwischen S. 38/39 hervorragend auf altem Papier faksimiliert.
First edition. Like his "Soli deo gloria. Ein schöner kurtzer Extract der Geometriae unnd Perspectivae" (Nuremberg 1599) of great rarity and only printed in small editions for friends. Richly illustrated with fine woodcuts in splendid contemporary colouring heightened with gold. The present treatise is considered one of the earliest to operate primarily with the compass. With several illustrations of the compass and the straight edge, their use in the field and for height determination (spread out ideal landscapes), coordination of multiple measurement results, etc. The woodcuts also show the geodesist (several times) sighting, on horseback and on wagon, as well as in the scholar's room drawing maps. - Large woodcuts partly trimmed with loss of the border line and slightly frayed. Lower margin with finger marks and somewhat affected by dampness, some text leaves and few here with restorations without loss of text. Title and plate between pp. 38/39 (uncoloured) excellently facsimiled on old paper. Bound in recent vellum from old material.
