221.-223. Auktion Reiss & Sohn • 29.10. - 01.11.2024

Los 744 *
Bilder- u. Merkspruchalbum, Lindau um 1690

verkauft

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verkauft

Auktionsablauf:

30.10.2024 / Los 738-840 / Sitzungsbeginn 14.30 Uhr

Lindauer Bilderhandschrift

Bilder- und Merkspruchalbum der Maria Jacobea Meyer. Deutsche Bilderhandschrift auf Papier. (Lindau, Bodensee, um 1690). Blattgr. 10:15,5 cm. Mit ca. 190 aquarellierten oder lavierten Tusch-, Feder- und Bleistiftzeichnungen. Beschriftungen, Bildtitel u. Verse sowie 12 S. Text in deutscher Kursive mit brauner Tinte. Ca. 320 (etwa 125 leere) Bll. Moderner Prgt. mit Schließbändern in Pp.-Schuber.

Bemerkenswertes Bilderbuch der Barockzeit mit humorvollen und volkskundlich interessanten Darstellungen in reizend naiver Manier gemalt. Die häufig blattgroßen Aquarelle in kräftigen Farben zu Sujets wie Szenen aus dem Volksleben, Allegorien und Karikaturen, darunter auch zahlreiche Folgen wie die 10 Jahrzehnte des Lebens, ca. 40 Darstellungen launig illustrierter Spruchweisheiten, 20 Narrendarstellungen nach Brants Narrenschiff, etwa 55 Darstellungen der "Verkehrten Welt" in der Art der gleichnamigen Bilderbogen der Barockzeit, ca. 20 Kaufrufe (darunter Bier, Brillen, Butter, Fisch, Käse, Obst, Trauben, Wein, Wildpret, Würste, Zeitungen), die 4 Tageszeiten, Zwerge, Tänzer, Bauern, daneben zahlreiche skurrile Einzelbilder wie Trunkenheit, Geiz, Musiker, Chinesen u.v.m. Drei Abbildungen (Drehleiterspielerin, Lautenspieler, Gänseverkäuferin) mit klappbaren Teilen. Gegen Ende etwas längere Texte von 2 humoristischen Briefbeispielen und Bermerkungen zur "Medicina universalis" (Glaube, Hoffnung, Geduld). - Aus zwei handschriftlichen Schenkungsvermerken auf dem ersten Blatt geht die Entstehung und Weitergabe der Handschrift in der Familie hervor. So schenkt 1816 Ursula Weber, geborene Pfister das Buch ihrer Tochter Johanna Jacobea. Diese schenkt es 1865 ihrer Tochter Pepina Oetinger und bemerkt dazu "Es wird ohngefähr 160 Jahr alt sein. Es wurde von Jungf. Maria Jacobea Meÿer gemalt, welche von Geburt an beyden Füßen lahm war. Sie wohnte im Paradies in dem Haus welches jetzt H. Gullman(n) gehört. Es war die Urgroßtante von der Obigen". Ursula Weber, geb. Pfister übernahm 1806 nach dem Tod des Vaters das von diesem gegründete Handels- und Speditionshaus Johann Michael Pfister in Lindau. Ihre Tochter Johanna Jacobea heiratete einen Pfarrer Oetinger (Todesanzeige 1871 im Lindauer Tagblatt). Deren Tochter Pepina, verh. Hausner unterzeichnete 1861 eine Todesanzeige für ihren Bruder Gustav Adolf im Lindauer Tagblatt. Der Kaufmann Christoph Gullmann lässt sich als Hauseigentümer in Lindau im "Paradies" nachweisen (Seiffert, Lindau und seine Umgebungen. 1855. S. 20). - Das am jeweils oberen Blattrand in Segmenten erkennbare Wasserzeichen (Stadttor mit 2 Türmen mit je 2 Fenstern u. Buchstaben NG im Sockelfeld) wird im Wasserz.-Informationssytem (DE8085-PO-105337) Konstanz zugeordnet und 1681 datiert. - Kaum gebräunt, etwas stock- u. fingerfleckig, stellenweise gering braunfleckig, gelegentlich oben u. unten knapp beschnitten, vereinzelt auch die Darstellung gering angeschnitten. Drei Blatt mit Einriss, davon 2 alt hinterlegt, Blatt "der Abend" mit Randausriss mit etwas Verlust an der Titelzeile.

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