Los 245 *
Horae B.M.V. Handschrift, Nordfrankreich, um 1530
18.000,00
EUR
(Zuschlag)
verkauft
Auktionsablauf:
28.10.2025 / Los 188-286 / Sitzungsbeginn 14.30 Uhr
From the Luxembourg and Savoy Families
Horae B. M. V. "Initium sa(n)cti evangelii secundu(m) Ioannem gloris tibi domine". Lateinisches Stundenbuch für den Gebrauch von Rom. Handschrift auf Pergament. Nordfrankreich, um 1530. Blattgr. 16,7:11 cm, Schriftspiegel 10,7:7,2 cm. 18-20 Zeilen. Rot regliert u. liniert. Textualis in 2 Schriftgrößen in schwarzbrauner Tinte, Versalien gelb schattiert, Rubriken in Rot. Mit 20 ganzseitigen Miniaturen in Gold und Farben, 17 kleinen Miniaturen mit zweiseitigen in Farben gemalten Bordüren auf Goldgrund und zahllosen 1-3zeiligen goldenen Initialen auf farbigem Grund. 4, 106 (statt 108?), 8 (statt 10?) Bll. Französischer goldgepr. Lederband d. Zeit mit reichem Bandwerk auf punziertem Grund; restauriert; Gelenke und Kapitale geschickt ergänzt, Kanten teilweise restauriert, Vergoldung teilw. ergänzt, die ursprünglichen Schließen entfernt und durch etwas spätere Metallschließen ersetzt, diese teilweise lose, feste Vorsätze mit altem Prgt. erneuert.
Reich ausgestattetes Stundenbuch aus der Zeit von Franz I. von Frankreich, in leuchtenden Farben illuminiert und zart mit Pinselgold gehöht. Das wiederholt in Bordüren erscheinende Allianzwappen zeigt auf einem gekrönten Schild das Wappen der Familie Luxembourg (aufsteigender Löwe in Rot, zweimal auch in Schwarz, auf Silber), sowie das Wappen von Savoyen (silbernes Kreuz auf Rot). Der Hauptteil mit wohl von der Hand des Schreibers eingetragenen Lagensignaturen a-b6, c-k8, l7 (statt 8), m-(o)8, durchgängig neuzeitlich mit Bleistift foliiert A-D, 1-106, E-L.
Inhalt: Evangelium des Johannes (fol. 1r-9v), Marienoffizium (10r-94v), Suffragien (95r-106r). Die Totenvigilien in einer Bastarda Gallica von etwas späterer Hand auf den vier zu Beginn eingehefteten leeren Blättern (A recto-D verso) niedergeschrieben. Weiterhin als Nachträge: auf Bl. 106r beginnend ein Gebet an den Hl. Bonaventura, dazu eine Miniatur von anderer Hand auf dem ersten der 8 nachgebundenen Bll. (E-L). Auf Bl. F verso eine weitere Miniatur dieser zweiten Hand zu einem hs. Gebet an Pierre de Luxembourg (G recto). Dazwischen (E verso) die abschließende Miniatur der ersten Hand. Die vorgebundenen Blätter A-D und die nachgebundenen E-G und J-K sind regliert und gehören zum originalen Blattbestand. Die Blätter H-I und L, aus anderem Pergament und nicht regliert, wurden dem ursprünglichen Blattbestand wohl im 17./18. Jh. hinzugefügt.
Illumination: Die 20 ganzseitigen Miniaturen zeigen den Evangelisten Johannes umgeben von vierseitiger Bordüre mit Wappen (Bl. 1v) - Christus im Garten Gethsemane (3r) - Kreuzigung (8v) - Virgo Jesse (10v) - Verkündigung an Maria (11r) - Heimsuchung Mariens (27r) - Christi Geburt mit Anbetung der Hirten (37v) - Botschaft an die Hirten (42r) - Christi Geburt mit Anbetung der Drei Könige (46r) - Darbringung im Tempel (50r) - Flucht nach Ägypten (54r) - Marientod (60v) - Kreuzigung mit Maria u. Johannes (67v) - Pfingstwunder (72v) - Maria Assunta (76v) - Michal, die Tochter Sauls, verhilft David zur Flucht (77r) - Trinität (95r) - Hl. Bonaventura (E re.) - Mariä Geburt (E ver.) - Peter von Luxemburg betend (F ver.).
Die Suffragien mit 17 kleinen Miniaturen (ca. 3,7:3,5 cm) auf Seiten mit prachtvollen zweiseitigen Bordüren mit Blumen und Insekten, meist auf Goldgrund. Dargestellt sind Erzengel Michael - Johannes der Täufer - Petrus - Paulus - Johannes der Evangelist - Laurentius - Claudius - Nikolaus - Antonius - Rochus - Franziskus - Anna - Maria Magdalena - Katharina - Margerita - Barbara - Apollonia. Zum Stil der Miniaturen vgl. Ulrike Bauer-Eberhardt, Die illuminierten Handschriften französischer Herkunft in der Bayerischen Staatsbibliothek, VII/2, Nr. 60, 61 u. 71.
Zustand: Stellenweise schwach gebräunt. In den Rändern etwas fingerfleckig sowie mit einigen Klebstoffspuren, Nadellöchern und Spuren vormals eingeklebter oder eingenähter Wallfahrtsandenken, Medaillen oder Gnadenbilder. Wenige kleine Bereibungen und Farbabplatzungen an Miniaturen und Schrift. Bl. 40r mit 2 kl. Wachsflecken im Schriftspiegel. Vier Seiten des Hauptteils im Rand mit spätereren Hinzufügungen von Gebeten (3) und einem Geburtsvermerk in Tinte. Die vor- und nachgebundenen Blätter mit weiteren Gebeten und zahlreichen späteren Besitz- und Geburtsvermerken verschiedener Familien des 17.-19. Jh. Fehlt das Blatt l2 (zwischen Nr. 76 u. 77, hier ist auch noch ein Rest eines weiteren Blattes erkennbar) und mindestens 1 Blatt zwischen E und F, vermutlich mit einer Miniatur der zweiten Hand zu einem der später eingetragenen Gebete an den Hl. Hieronymus. Vor Blatt Nr. 1 wurden 2 weitere Bll. entfernt.
Provenienz: Ursprünglich aus dem Besitz einer Person aus einer Verbindung der Häuser Luxemburg und Savoyen. Unter den zahlreichen späteren Besitzvermerken und Familieneinträgen: Sonnete Cauche (?) de Lagnette (um 1590), de Chartongne (1609-1640), de Saint-Quentin (1645-1739), Larcher de Chamont (1799), de Bruce (1821-1844) - Europäischer Privatbesitz.
Richly decorated book of hours from the time of Francis I of France, illuminated in bright colours and delicately heightened with brush gold. Latin mansucript on vellum. Contains 20 full-page miniatures (2 by a somewhat later hand), as well as 17 small miniatures on leaves with splendid borders on two sides. The first owner must have belonged to the Luxembourg and Savoy families. The alliance coat of arms, which appears repeatedly in borders, shows the coat of arms of the Luxembourg family and the coat of arms of Savoy. - Margins with some fingerstaining and with a occasional traces of glue, pinholes and contours of previously glued or sewn-in pilgrimage souvenirs, medals or images of grace. Few small abrasions and colour flaking to miniatures and lettering. Later additions of prayers and a family note to margins of 4 pages. Extensive ms additions of prayers and family notes to 4 blank leaves at front and 8 (6 blanks) at end. Two small wax stains to 1 leaf of text. Lacking at least 1 leaf between the recently numbered leaves 76 and 77, one of the additional bound sheets at the end and presumably 2 sheets at front. French leather binding of the period with rich strapwork on embossed ground; restored; joints and capitals skilfully replaced, edges of covers partially restored, gilding renewed, the original clasps removed and replaced by somewhat later metal clasps, these partially loose, pastedowns renewed using old vellum sheets.
