Reuchlin, De arte cabalistica + Beibände
Auktionsablauf:
Reuchlin, J. De arte cabalistica libri tres, iam denuo adcurate revisi. Hagenau, J. Setzer, 1530. Fol. (30:22,5 cm). Mit gr. Wappenholzschn. auf dem Titel. 4 nn., 90 röm. num. Bll. - Angebunden: P. Ricius. De coelesti agricultura. Augsburg, H. Steiner, 1541. Fol. Mit großem Titelholzschnitt. 4 nn., 210 röm. num. Bll. - H. C. Agrippa von Nettesheim. De occulta philosophia libri tres. (Köln, J. Soter), 1533. Fol. Mit Holzschn.-Porträt auf dem Titel, 8 Textholzschnitten u. zahlr. Initialen von Anton Woensam von Worms sowie vielen Holzschn.-Diagrammen u. kabbalistischen Zeichen im Text. 6 Bll., 362 röm. num. S., 1 w. Bl. - J. de Indagine (Rosenbach). Introductiones apotelesmaticae elegantes, in chyromantiam, physiognomiam, complexiones hominum, naturas planetarum. Straßburg, J. Schott für den Autor, 1522. Fol. Mit großem Holzschn.-Porträt (Titel), großem Wappenholzschn. u. zahlr. Textholzschn. von H. Baldung Grien u. H. Wechtlin. 30 (recte 32), 48 (recte 40) num., 1 nn. Bll. Holzdeckelband d. Zt. mit übergreifendem blindgeprägten Schweinsldr.-Rücken u. 2 Metallschließen; etwas bestoßen u. berieben, einige Wurmlöcher, vorderes Innengelenk mit Wurmspuren.
Interessanter Sammelband mit vier seltenen Werken zur Kabbala und zu Grenzwissenschaften. I. VD 16, R 1236; Adams R 382; Goed. I, 416, 20; Caillet 9333; Durling 3860; Benzing, Hagenau 144 & Reuchlin 100. - Zweite Ausgabe, seltener als die Erstausgabe 1517. Das zweite Hauptwerk Reuchlins zur Kabbalah nach "De verbo mirifico", 1494. "Unlike in his former book, Reuchlin here identifies himself more or less with the Jewish kabbalist ... the first and third books of the work discuss the Kabbalah at considerable length and with a fair amount of objectivity and sympathy, while the second book contains a long dialogue on Pythagoras' philosophy ... the quiet and dignified tone and the wealth of new information assured wide interest in the book and made it a classic" (Encyclop. Judaica [1.A.] XIV, 110f.). - II. VD 16, ZV 13263; Adams R 520; Fürst III, 155; Caillet 9395. - Erste Ausgabe. Der aus einem jüdischen Elternhaus stammende Ricius (ca. 1480-1542) konvertierte um 1505 zum Christentum ging, nach Jahren als Doktor der Medizin und Professor der Philosophie in Pavia, 1514 nach Augsburg, wo er Leibarzt von Kaiser Maximilian I. und Erzieher des späteren Kaisers Ferdinand I. wurde; 1530 wurde er zum Freiherr von Sprinzenstein erhoben. Wie Pico della Mirandola und Reuchlin "glaubte er, in der Kabbala die verlorene Uroffenbarung der Menschheit gefunden zu haben, und verstand sie als eine Vor-Deutung des Christentums. Er benützte die Kabbala in seinem vierbändigen Werk 'De coelesti Agricultura' zu missionarischen Zwecken, um Juden zur Konversion zu bewegen: Die kabbalistischen Lehren hätten schon zur Zeit Jesu die Juden auf den Weg zum Christentum geführt; die Juden, die sich damals hätten taufen lassen, seien nichts anderes als 'wahre Kabbalisten' gewesen (NDB XXI, 547). Enthält neben "De coelesti agricultura" in vier Büchern (bis Bl. 122) auch neun Abhandlungen des Ricius (Aufstellung bei Fürst). - III. VD 16, A 1181; Brüning 185; (tlw. als Varianten:) Adams A 386; Caillet 93; Ferguson I, 12; Durling 70; Wellcome I, 91; Merlo 994, 120a-i. - Erste vollständige Ausgabe von Agrippas Hauptwerk, "a more general presentation of the subject than could be found elsewhere, at least in print" (Thorndike V, 136). Einer von fünf Drucken mit dem Druckdatum 1533 (die anderen im VD 16 unter A 1180, A 1082, ZV 269 u. ZV 15702). Variante mit der Trennung "Agrip-" im Titel und der korrekten Paginierung der letzten Seite. Brüning nennt als Unterscheidungsmerkmal für den Erstdruck die kabbalistischen Symbole auf S. 231, die vorliegend wie gefordert alle eine kreisförmige Einfassung aufweisen. Teil 1 war bereits 1531 in Antwerpen erschienen und im gleichen Jahr in Paris und Lyon nachgedruckt worden. "Durch Eingriff der Inquisition verzögerte sich das Erscheinen der folgende Teile bis Juli 1533" (Brüning), aus diesem Grund erschien unsere Ausgabe wohl auch ohne Angabe von Drucker und Erscheinungsort. Ein 1565 posthum erschienener vierter Teil ist apokryph. - IV. VD 16, R 3108; Adams I 88; Muller 82, 103; Houzeau-L. 4775; Zinner 1180; Sabbatini 282 ("Edizione originale rarissima"); Oldenbourg L 203; Thorndike V, 65f. & 174ff.; nicht bei Durling 2531ff. - Erste Ausgabe, 1523 folgte eine vom Verfasser übersetzte deutsche Ausgabe. "Überregionale Bedeutung gewann Indagine auf dem Gebiet der damals ebenso modischen wie umstrittenen Astrologie sowie auf den damit verwandten Feldern der Chiromantie und Physiognomie ... Dieses bis in das ausgehende 17. Jhdt. trotz päpstlicher Indizierung häufig nachgedruckte Werk mit dem von Hans Baldung Grien angefertigten Porträt Indagines auf dem Titelblatt und den veranschaulichenden Holzschnitten Hans Wechtlins im Innern hat im Deutschland der frühen Neuzeit wesentlichen Anteil an der Verbreitung der Lehre von der Deutung des Körperbaues, des Gesichts und der Handlinien ... I. beruft sich wiederholt auf Julius Firmicus, Marsilius Ficinus u. a., doch erheben eigenständige Erfahrungen und Beobachtungen sein Werk über eine reine Kompilation" (NDB X, 168f.). Die Holzschnitte mit Händen, Charakterfiguren und Sternbildwagen. - Etwas gebräunt u. meist etwas stockfleckig; vereinzelt etwas fleckig; (I) mit Wasserfleck im Fußsteg; (I) zu Beginn mit Wurmspuren im Bundsteg; Porträt auf dem Titel von (IV) mit kleiner Fehlstelle im Bild. Titel von (I) mit altem Besitzvermerk.
Sammelband with four scarce books on Kabbalah, astrology, palmistry and so on. - Some browning and foxing throughout; some staining here and there; marginal waterstain to (I); some marginal worming to first leaves of (I); small flaw with loss of picture to portrait on the title of (IV). Old ownership entry to tite of (I). Contemporary blindtooled half-pigskin with wooden boards and 2 clasps; somewhat worn, few wormholes, some worming to front inner hinge.
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