Los 267 *#
Gästebuch des "Weisheitsbembels" in Frankfurt / 3 Objekte
800,00
EUR
(Schätzpreis)
Auktionsablauf:
27.10.2026 / Los 254-353 / Sitzungsbeginn 14.30 Uhr
Auch Joseph Roth unter den Gästen
Frankfurt. - Wendel, Hermann. - Gästebuch des Stammtischs "Weisheitsbembel". Frankfurt 1925-1933. 4to (20:16,5 cm). Mit 10 Bleistiftzeichnungen u. einigen Zeitungsausschnitten. Insgesamt 54 belegte Seiten; zahlr. Bll. weiß. Lwd. d. Zt., berieben.
Der Journalist und Schriftsteller Hermann Wendel (1884-1936) war 1912-1918 Reichtsagsabgeordneter für die SPD. Schon vor dem Krieg hatte er sich mit den südslawischen Völkern beschäftigt, nach 1918 veröffentlichte er u.a. eine ganze Reihe von Werken zu südslawischen Themen. In Frankfurt war er Vorsitzender der Deutsch-Südslawischen Gesellschaft. 1933 musste er nach Frankreich emigrieren. Der von ihm gegründete Frankfurter Stammtisch "Weisheitsbembel" vereinte Persönlichkeiten der Stadtgesellschaft und bildete "eine buntgewürfelte Männergesellschaft aus Repräsentanten freier Berufe, Presse, Stadtverwaltung, Universität und Wirtschaft" (B. Kossmann). Zu den Gründungsmitgliedern gehörte der Schriftsteller und Journalist Alfons Paquet. Oft wurden Gäste geladen, die häufig entweder aus dem Elsass oder Lothringen stammten (Wendel kam aus Metz) oder mit dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen zu tun hatten. In das vorliegende Buch dürften sich die Gründungsmitglieder, Neumitglieder sowie Gäste eingetragen haben. Unter den Einträgern, teilweise mit Gedichten oder launigen Bemrkungen, befinden sich der Feuilletonredakteur Walter Bing (1881-1980), der Bibliothekar Karl Jahn (1883-1966), die Schriftsteller Joseph Roth, Ernst Glaeser, René Schickele, Robert Grötzsch und Jean de Pange, der Soziologe und Politiker Hendik de Man, die Slawisten Edmund Schneeweis und Gerhard Gesemann, der Diplomat Adolf Köster und, mit einem der serbokroatischen Einträge, der serbische Dichter Stanislav Vinaver (1891-1955). Unter den Bleistiftporträts (tlw. signiert Scheil) befindet sich eines des Ethnologen Leo Frobenius. Die Einträge erfolgten zwischen dem 7. Februar 1925 und dem 15. Juli 1933. Unter dem 4. März die Bemerkung: "Letzter Abend von H(ermann) W(endel). 5. III. R. T. Wahl (Reichstagswahl)". Danach folgen nur noch zwei Einträge. - Dazu: 1. Apfelweinglas mit farbiger Emaillemalerei (Eule auf 2 Büchern zwischen zwei Bembeln, Überschrift "Weisheitsbembel", unten rechts die Nummer "2"), mit Holzdeckel, dessen Zinneinlage mit umlaufender gravierter Inschrift "Zum Geburtstag vom Wiesheitsbembel", in der Mitte die Initialen "F. R." und die Jahreszahl "1930". Es dürfte sich um das persönliche Glas des Ferdinand Rühl (Gartenarchitekt in Frankfurt) handeln, der sich erstmals am 14. Februar 1925 eintrug. - 2. (A. Paquet). Dank des nun Sechzigjährigen. Mainz, Albert-Eggebrecht-Presse, 1941. Schmalfolio. 4 Bll. OU. - Titel mit eigenh. Widmung: "Herrn Philipp Rühl / Alfons Paquet". - Von dem 1890 geborenen Turkologen Philipp Rühl dürfte der osmanisch-türkische (?) Eintrag unter dem 7. Februar 1925 stammen. - Zusammen 3 Objekte.
