Los 275 *
Missale plenum. Handschrift 14. Jh.
20.000,00
EUR
(Schätzpreis)
Auktionsablauf:
27.10.2026 / Los 254-353 / Sitzungsbeginn 14.30 Uhr
Mit Weinsegen "Amor Johannis" - Wine Blessing
Missale plenum. Incipit: "Ad te levavi anima(m) mea(m)...". Lateinische Handschrift auf Pergament. Deutschland, 14. Jahrhundert. Fol. Blattgr. 35:24 cm, Schriftspiegel 23:16 cm. 2 Spalten, 30 (Kanonteil: 19) Zeilen. Braune Textualis formata in unterschiedlichen Schriftgrößen, Versalien rot gestrichelt, Hervorhebungen in Rot. Mit 5 sechs- bis achtzeiligen Initialen in Rot mit Knospenfleuronnée und Hunderten von mehrzeiligen Initialen in Rot, teilweise mit kleinen Ausläufern. 186 teilw. num. Bll., meist in Lagen zu 8 Bll., dazu je 1 leeres Bl. zu Beginn u. am Schluss (letzteres als Spiegel auf dem Rückdeckel). Später eingehängt in einen schönen und passenden blindgeprägten Schweinsledereinband über Holzdeckeln aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts.
Mit großer Sorgfalt ausgeführte Pergamenthandschrift für den liturgischen Gebrauch, die trotz oder gerade wegen ihrer schlichten Ausstattung sehr ansprechend wirkt. Die Handschrift diente dem Gebrauch in der Messe, nicht der Repräsentation. Ihr Buchschmuck beschränkt sich fast ausschließlich auf einfache rote Lombarden, die gelegentlich durch kleine Sägeblattausläufer verziert sind, lediglich einige besonders wichtige Texte werden durch größere Initialen mit Knospenfleuronnée hervorgehoben. Das vollständige Missale enthält Proprium de tempore und de Sanctis, mit eingeschobenem Kanonteil, Commune sanctorum sowie Votivmessen. Kollation: a-p8, q6, r-z8, A4 (ohne Lagenreklamanten). Blattzählung: 16 num. (1-16), 8 nn., 48 num. (33-80), 32 num. (73-104), 82 nn. Bll.
Für eine Gebrauchshandschrift von außergewöhnlich guter Erhaltung: Einige kleinere Pergamentfehler, vereinzelt zeitgenössisch ausgebessert (genäht), gelegentlich leicht fleckig, das Schlussblatt mit etwas größerer Pergamenthinterlegung im Außensteg. Der Kanonteil, wie üblich, durch den besonders häufigen Gebrauch mit stärkeren Fingerspuren in den Rändern. Vereinzelt finden sich kleinere Anmerkungen u. Ergänzungen von verschiedenen Händen des 15. u. 16. Jahrhunderts, unter dem Textschluss u. auf dem leeren Schlussblatt einige längere Gebete und Lesungen, darunter ein mit "Amor Johannis" überschriebener Text, der wohl als Weinsegen diente. Der auch als "Johannisminne" bekannte Brauch einer Weinsegnung am Tag des Evangelisten Johannes (27. Dezember) war vor allem in den Weinlandschaften des deutschen Kulturraumes verbreitet.
Zum Einband: Die Handschrift wurde in späterer Zeit in einen prachtvollen Schweinsledereinband des Augsburger Buchbinders Caspar Horneffer (tätig 1562-1595) eingehängt. Der aus Suhla gebürtige Horneffer war ein langjähriger und vertrauter Freund Jakob Krauses (vgl. Haebler I, 168 f., Schunke, Jakob Krause S. 42, sowie F. Zoepfl, Jakob Krause u. Caspar Horneffer, passim). Der Vorderdeckel trägt als Mittelstück eine Salvatorplatte, der Rückdeckel Fides und Spes (EBDB p002614 & p002620; Haebler II, 232, XL & XXXIX). - Etwas fleckig u. berieben, am Rücken verkürzt und restauriert, Schließen erneuert.
Very attractive Latin missal on vellum, Germany, 14th century. 186 leaves (complete). In gothic script in brown ink, rubricated in red. With 5 red 6- to 8-line fleuronnée initials and numerous red Lombard initials. - Some natural vellum flaws (partly with neat contemporary repairs), occasional light spotting, old marginal repair to blank outer margin of final leaf. Occasional traces of use and marginal thumbmarks, especially in the Canon of the Mass. Neat 15th and 16th century marginalia in places, some longer notes at end include a text headed 'Amor Johannis', presumably for the blessing of wine at the feast of Saint John. Recased in a handsome 16th century full pigskin binding by Caspar Horneffer (remboîtage), somewhat rubbed and spotted, clasps renewed.
