230. - 231. Auktion Reiss & Sohn • 27. - 29. Oktober 2026

Los 276 *#
(Müller), Daniel in seiner Auferweckung. Handschrift nach 1760

4.000,00 EUR
(Schätzpreis)

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Auktionsablauf:

27.10.2026 / Los 254-353 / Sitzungsbeginn 14.30 Uhr

"Visionär erleuchtet"

(Müller, J. D.). Daniel in seiner Auferweckung am Ende der Tagen, das ist: die Heimlichkeiten der Zahlen u. Zeiten. die Harmonie aller Dingen. das grose Wunder der Welt. darinnen man eine offene Pforte aller göttlichen und natürlichen Weißheit dargestellet finden wird. Zum Grundstein, Felsen und Anfang des Königreichs des Allerhöchsten, als dem Reich des heiligen Geistes am Ende der Tagen. Deutsche Handschrift auf Papier. (Nach 1760). 4to. Blattgr. 23:18,5 cm, Schriftspiegel ca. 20,5:16,5 cm. Saubere deutsche Kursive in schwarzbrauner, vereinzelt roter Tinte, zahlreiche Unterstreichungen in grüner Tinte, Schluss in grüner Tinte geschrieben. Mit einigen schematischen Tintenzeichnungen. 1 w. Bll., 6 Bll., 456 S., 3 w. Bll. Späterer Pp., Rücken in Leder sowie Vorsätze erneuert.

Vgl. NDB XVIII, 156f. u. E. F. Keller, Daniel Müller (1834). - Johann Daniel Müller (1716- nach 1785), aus einfachen Verhältnissen stammend, wurde zunächst am nassauischen Hof in Dillenburg zum Musiker ausgebildet und war in Berleburg, Merseburg, Darmstadt und Hachenburg tätig; ab 1747 war er Konzertdirektor in Frankfurt, wo er auch ein 'Vollständiges Hessisch-Hanauisches Choralbuch' herausgab. Goethe dürfte ihn gehört, mag ihn vielleicht auch gelesen haben. Nach dem Tod seiner Frau (1759?) "verließ der visionär erleuchtete M., der sich zum wiederkommenden Propheten Elias (Elias Artista) berufen fühlte, Frankfurt und zog durch Nord- und Ostdeutschland, Skandinavien, das Baltikum und Rußland. Als 'Elie Artiste', der Alchemie, Kabbala und z. T. auch Swedenborgs Visionen popularisierte, wurde M. von den Illuminaten in Avignon, einer freimaurerähnlichen Geheimgesellschaft um die Swedenborg-Übersetzer Abbé de Bramore (Philibert Guyton de Morveau) und Dom Antoine-Joseph Pernety, sehr verehrt" (NDB). Seine gedruckten Bücher sind alle sehr selten, im Handel erscheint in den letzten Jahren nur "Elias Artista mit dem Stein der Weisen" (Brüning 5042).

Die vorliegende (eigenhändige?) Handschrift trägt den Schlussvermerk: "geschrieben in der Gefangenschaft zu Babel, im Jahr der Offenbarung Jesu Christi 1761. den 29. December. Daniel". Sie ist eingeteilt in 32 Kapitel, beginnend mit "Von Gott dem Allerhöchsten, dem Wesen aller Wesen" und scheint zum großen Teil eine Erklärung der Welt anhand der Schöpfungsgeschichte zu sein. Einen großen Raum nimmt die "Zeit-Rechnung aus der Schrift" ein. Müller berechnete hier das Ende der Zeiten für 1764. Die Titel einiger anderer Abschnitte lauten: "von den Engeln des Planeten-Raums", "von dem unterirdischen Feuer", "vom Fall der Engeln", "von der Zahl des Thiers 666", "de Lapide Philosophorum". 1773 ließ Müller anonym an einem unbekannten Ort ein Buch drucken mit dem Titel 'Der Prophet Daniel in seiner Auferweckung am Ende der Tage'. Dieses ist nicht identisch mit der vorliegenden Schrift. Müller enthüllt dort allerdings im Vorwort auf eine ähnliche Art seine Identität: er sollte eigentlich auf die Namen "Johann Jost" getauft werden, was im letzten Moment zu "Johann Daniel" geändert worden sei. In der vorliegenden Handschrift verwendet er am Ende des Vorworts auch die hervorgehobenen Wörter "Wißen" "Bach" und "Müller" und enthüllt damit seinen Geburtsort Wissenbach und seinen Nachnamen Müller. In 'Kurze Nachricht eines Freundes vom Elias' (Anhang zu seinem 'Abraham der Segen aller Völker', 1769), das auch Keller als Quelle diente, heißt es (S. 11): "(Er) schrieb zu Anfange des 1759sten Jahrs seinen Tractat: Daniel in seiner Auferweckung am Ende der Tagen, oder die Harmonie aller Dinge, welcher Tractat, mit den hinzu gekommenen Offenbarungen, anitzo den Titel führt: Das Buch der ganzen Welt an die ganze Welt".'Elias mit dem Buch der ganzen Welt (etc.)' erschien ab 1767 in drei Teilen im Druck (vgl. Keller S. 60ff.). Zum Datum des Schlussvermerk (29. 12. 1761) der Handschrift hatte Müller eine Kerkerhaft hinter sich: im Februar 1761 hatte er eine Audienz bei Friedrich II. von Preußen dazu genutzt, ihm seine Lehre vorzustellen, woraufhin er neun Wochen eingesperrt wurde und danach mittellos in seinen hessischen Heimatort zurückkehren musste, den er im Juni erreichte. Im Frühjahr 1762 war er bereits in Dänemark, von wo aus er sein unstetes und abenteuerliches Wanderleben fortsetzte. - Etwas gebräunt.

Auktionsablauf:

27.10.2026 / Los 254-353 / Sitzungsbeginn 14.30 Uhr

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