Presse – Vorbericht

Das vierte gedruckte Buch – und der Fußabdruck des Yeti

Vorschau auf die Herbstauktionen 195, 196 und 197 mit Büchern und Graphik
bei Reiss & Sohn in Königstein/Ts. vom 29. – 31. Oktober 2019

Königstein (Taunus), im Oktober 2019. Ein herausragendes Zeugnis aus der Frühzeit der Buchdruckerkunst sind die Liturgieerklärungen des Wilhelm Durandus von 1459, die als viertes gedrucktes Buch seit Gutenbergs Bibel von 1452-55 in die Druckgeschichte eingingen. Voraus gingen lediglich noch die beiden Mainzer Psalter von 1457 und 1459. Die in einer eigenen Type von Johann Fust und Peter Schöffer auf Pergament gedruckte Inkunabel bildet mit 280.000 Euro Schätzpreis das wertvollste Objekt, das auf den diesjährigen Herbstauktionen von Reiss & Sohn angeboten wird.

Insgesamt kommen vom 29. bis zum 31. Oktober in Königstein über 2700 Lose mit wertvollen Drucken, Handschriften, Atlanten und seltenen Landkarten zum Aufruf. Mehrere qualitätvolle private Sammlungen fanden Eingang in die drei Kataloge, darunter ein Sonderkatalog „Exploration and Mountaineering“ mit rund 280 Werken zu Expeditionen und Entdeckungsreisen sowie Berichten über Erstbesteigungen der höchsten Berge der Welt. Als Kuriosum der Sammlung findet sich auch das legendäre Originalfoto vom Fußabdruck des Yeti. Mehr dazu im Vorbericht zum Sonderkatalog.

In der beeindruckenden Offerte mit Drucken der Gutenbergzeit glänzt weiterhin ein koloriertes Exemplar der ersten illustrierten Bibel der Druckgeschichte. Dieser mit Bildinitialen schön geschmückte Wiegendruck erschien bei Günther Zainer nicht nach 1474 und kommt mit einem Schätzpreis von 100.000 Euro zum Aufruf. Zwei weitere bedeutende Frühdrucke, die neunte deutsche Bibel von 1483 mit über 100 kolorierten Holzschnitten sowie die berühmte Weltchronik des Hartmann Schedel von 1493 mit über 1800 kolorierten Holzschnitten sind in der Herbstauktion vertreten. Für beide Werke werden je 100.000 Euro angesetzt.

Illuminierte Unikate hält die Abteilung Handschriften bereit. Ein kostbares lateinisches Stundenbuch (um 1490-1520), das mit 13 großen Miniaturen und Buchschmuck üppig ausgestattet ist, hat laut handschriftlichem Eintrag vom 23. Dezember 1613 wohl als Weihnachtsgeschenk gedient. Erwartungsgemäß soll es in der kommenden Auktion für 30.000 Euro erneut den Besitzer wechseln.

Unter den alten Drucken sticht die seltene Erstausgabe von Melchior Pfintzings Holzschnitt-Buch „Theuerdank“ hervor in einem auf Pergament gedruckten Exemplar (60.000 Euro). Bedeutenden Rechts- und Notariatsbüchern des 15.-16. Jahrhunderts wird ein eigenes Kapitel mit rund 60 Werken gewidmet, als Glanzlicht darunter der wohl berühmteste deutsche Rechtskodex, Eike von Repgows „Sachsenspiegel“ in einem zeitgenössischen Prägeeinband (45.000 Euro).

Das berühmteste und schönste Kräuterbuch der Renaissance schuf Leonhard Fuchs 1542. Selten ist ein vollständig erhaltenes Exemplar wie das vorliegende in zeitgenössischem Kolorit auf dem Markt zu finden, was seinem zukünftigen Besitzer taxierte 80.000 Euro wert sein sollte. Liebhaber zoologischer Buchillustration können sich über gleich zwei unterschiedliche Prachtausgaben von Maria Sibylla Merians Werken über die Insekten Surinams und Europas freuen, beide koloriert und jeweils auf 75.000 bzw. 60.000 Euro geschätzt.

Zu den reizvollsten Stücken der Literaturabteilung zählt ein Studienexemplar der Komödien des Terenz aus dem Besitz des jungen Friedrich Nietzsche. Das mit seinem eigenhändigen Besitzvermerk versehene Exemplar enthält zudem zahlreiche Korrekturen und Ergänzungen von seiner Hand (6.000 Euro).

Reich bestückt erweist sich die Abteilung für Photographica mit Reisefotografien aus allen Teilen der Erde, darunter Alben teils namhafter Fotografen mit Ansichten aus Ägypten, Amerika, Brasilien, Griechenland, Japan, Korea und Singapur mit Schätzpreisen zwischen 1.000 und 3.000 Euro. Zahlreiche Lose der Reiseabteilung widmen sich der Türkei und Konstantinopel, besonders bemerkenswert ist ein Geschenkexemplar des Sultans für den deutschen Ingenieur der Eisenbahnlinie Bagdad-Konstantinopel, Otto Kapp (1853-1920), mit Istanbul-Ansichten in einem prächtigen Einband (2.000 Euro).

Matthäus Merian schuf die umfangreichste deutsche Topographie des 17. Jahrhunderts. Ein vollständiges Exemplar mit allen von 1642-1736 erschienenen Teilen in 18 Bänden soll 50.000 Euro erzielen. Ein weiteres Hauptwerk aus der Merianschen Offizin, die berühmte illustrierte Jahrhundert-Chronik „Theatrum Europaeum“, dokumentiert mit unvergleichlich enzyklopädischem Charakter das Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. Das mit Hunderten von Plänen, Karten und Portätkupfern ausgestattete Werk in 21 uniform gebundenen Bänden wird auf 25.000 Euro geschätzt.

Aus mehr als 80 Titeln können die Sammler von Atlanten wählen. Vertreten sind Werke zahlreicher bedeutender Kartographen wie Ptolemaeus, Ortelius, Camocio, Blaeu, Mercator und Homann mit Schätzpreisen zwischen 10.000 und 40.000 Euro. Die umfangreiche Abteilung von über 800 Landkarten und Ansichten aus allen Gegenden der Erde beschließt wie gewohnt die Auktionen, darunter eine dekorative Wandkarte von Jean Baptiste Nolin, die in 4 großformatigen Teilen die Welt, Afrika, Amerika und Asien zeigt (18.000 Euro). Herausragend und einzigartig in seiner Fülle ist eine Sammlung von ca. 470 überwiegend altkolorierten Karten des Verlages von Matthäus Seutter, bestehend aus 5 Sammelbänden und zahlreichen Einzelblättern. Die enthaltenen Welt- und Gebietskarten sowie Stadtpläne vermitteln ein umfassendes Bild der Welt am Ende des Barockzeitalters (100.000 Euro).

Die beiden reich illustrierten Kataloge können als Printversion erworben werden. Diese gedruckten Kataloge werden in der 2. Oktoberwoche erscheinen. Die Onlineversion steht mit ca. 9000 Bildern bereits  unter www.reiss-sohn.de zur Verfügung. Dort können die Lose auch direkt schriftlich beboten werden oder ein Gebotsformular zum Faxen oder Versenden heruntergeladen werden.

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