221.-223. Auktion Reiss & Sohn • 29.10. - 01.11.2024
221.-223. Auktion
221.-223. Auktion
Tuschzeichnung, Zürich 2.H. 16. Jh.
Monogrammist HiS. Ein Mann trägt einen Knaben über eine Brücke (Hl. Christophorus?). Grau lavierte Tuschezeichnung auf Büttenpapier. Zürich, wohl 2. Hälfte des 16. Jh. 19 x 13,3 cm. Unten rechts monogrammiert und mit Ortsbezeichnung "Tigurini".
Bärtiger Mann mit Wanderstock und Hut schreitet nach rechts über einen Holzsteg, einen Knaben mit Mütze tragend. Dahinter öffnet sich der Blick über einen See auf eine Stadt in der Ferne. Das Monogramm HiS oder HivS konnten wir nicht entschlüsseln. - Gebräunt, etwas fleckig, zarte Bleistiftlinien eines Rasters. Im 18. Jh. auf Karton (26:20 cm) aufgezogen und mit mehrfachen Einfassungslinien (Schwarz, Gold, Lindgrün) versehen. - Verso auf dem Trägerkarton in Tinte der Sammlungsvermerk "Portefeuille No 46, Dessein No 16" (Lugt 3004b, Achille Ryhnier, Basel zugeschrieben), recto am unteren Rand des Trägerkartons die Sammlungsstempel von Paul Vischer (L. 2115: "le plus sérieux connaisseur, et le plus activ collectionneur de Bâle") und Jules Dupan (Lugt 1440) sowie "No 1786" in Tinte, verso in Bleistift "63-2 Gravé par Crispin de Passe, tom III de la Bibliothèque Nationale" und weitere Nummern.
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Promotionsurkunde Padua, 1701
Padua. - Promotionsurkunde für den Juristen Franciscus Antonius Rigotti. Lateinische Handschrift auf Pergament. Padua, 24. November 1701. 4to (24,5:18 cm), Blattgr. 24:18,5 cm. Kursive u. Antiqua in schwarzer Tinte, zahlreiche Hervorhebungen in Gold. Mit 2 großen bzw. blattgroßen Aquarellmalereien (Wappen und Blumenbukett) in Farben u. Gold sowie 2 breiten Schmuckrahmen in farbiger u. goldfarbener Aquarellmalerei mit Blumen, Früchten u. Akanthusranken, 3 Seiten mit Goldeinfassung. 4 Bll. Rotbrauner Maroquinband d. Zt. mit reicher ornamentaler Deckelvergoldung im Fächerstil; gering berieben, mit 2 angehängten Wachssiegeln in Metalldosen, obere Deckel mit aufmontiertem Ldr. mit Vergoldung im Stil des Einbandes (fehlt 1 unterer Deckel).
Schönes Beispiel für ein juristisches Doktordiplom der Universität Padua, überreicht von den Professoren der Rechte Giovanbattista Rainis und Franciscus Antonius Talmon à Thalheimb mit deren Signaturen am Ende des Textes. Mit farbenprächtigen Malereien illustriert u. in einen reich vergoldeten Lederband gebunden. Die gut erhaltenen Wachssiegel mit der Bezeichnung "Sigillum Universitatis Iuristarum Paduae 1627" mit Darstellung des Hl. Markus und "Pax Tibi Marce Evangelisti" mit Darstellung des Markus-Löwen. - Mit durchgängigem Braunfleck im oberen Bundsteg.
A fine example of a legal doctoral diploma from the University of Padua decorated with colourful paint work and in a richly gilt leather binding with well-preserved wax seals.
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Méthode pur la réduction au perspectife. Handschrift um 1720
Perspektive. - Méthode universelle por la réduction naturelle de geometral au perspectife (sic). Französische Handschrift auf Papier. Ohne Ort, erstes Drittel des 18. Jahhunderts. Blattgr. 29:19,5 cm, Satzspiegel ca. 24:14,5 cm. Ca. 26 Zeilen. Saubere lateinische Kursive mit kalligraphischen Details. Mit zahlreichen, teilw. ganzseitigen Federzeichnungen. 106 (6 leere) nn. Bll. Ldr. d. Zt. mit Rvg. u. goldgepr. Deckelfileten; Gelenke teilw. restauriert. In mod. dunkelgrüner Maroquin-Kassette mit goldgepr. Rtit.
Außergewöhnlich sorgfältig ausgeführte Handschrift zur Konstruktion perspektivischer Darstellungen, Schatten und dreidimensionaler Körper, unterteilt in 5 Kapitel ("parties"). "Le tout a l'utilité de ceux qui professent liberalement les arts subalternes, et dependants de la peincture." Insgesamt 150 beschriebene Seiten. Das Papier überwiegend mit Wasserzeichen "G ARTAVD". Briquet II, 662 nennt einen Guillaume Artaud in Ambert (Auvergne) mit 2 Papiermühlen für das Jahr 1717. Weitere Mitglieder der Familie Artaud (Claude, Jean und Pierre) lassen sich um die Mitte des 18. Jh. als Betreiber von Papiermühlen nachweisen. Der Rückentitel "PERSP TO.I." legt nahe dass ein weiterer Band zumindest geplant war. - Sauber und kaum gebräunt, im Bund stellenweise gering wasserfleckig. Die Tinte vereinzelt leicht durchschlagend.
Carefully executed French manuscript on the construction of perspective drawings, shadows and three-dimensional bodies, etc., divided into 5 chapters ("parties") with numerous, partly full-page pen and ink drawings. A total of 150 written pages. The spine title "PERSP TO.I." suggests that a further volume was at least planned. - Clean and barely browned, light dampstaing to gutter in places. The ink slightly showing through in places. Bound in contemp. full-calf, spine gilt, gilt fillet borders; joints restored. Housed in modern dark green morocco clamshell box.
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Pontificale, Handschrift auf Pergament
Pontificale. Lateinische Handschrift auf Pergament. Frankreich (wohl Amiens), Anfang des 16. Jh. Fol. Blattgr. ca. 33,5:22,5 cm, Schriftspiegel ca. 21,5:13 cm. 51 Bll. (das letzte weiß; modern in Bleistift foliiert). - (Teil 1:) "Incipit officium i(n) ordinib(us) celebrandis". 20 Zeilen (Bl. 7: 26 Zeilen, Bl. 9: 22 Zeilen). Textura in braunschwarzer u. roter Tinte, in Rot regliert, Musik in Quadratnotation auf rotem, vierlinigem System. Mit 1 umlaufenden u. 3 Teilbordüren in Gold u. Farben mit Akanthus-, Früchte- u. Blätterdekor, 2 vier- u. 2 dreizeiligen Initiale in Gold u. Farben sowie zahlr. ein- bis dreizeiligen Initialen auf einfarbigem Grund. (Bl. 1-38). - (Teil 2:). Incipit: "Feria qui(n)ta in cena d(omi)ni qu(ando) sacru(m) crisma co(n)secratur. 21 Zeilen. Textura in brauner u. roter Tinte, in schwachem Rot regliert, Musik in Quadratnotation auf rotem, vierlinigem System. Mit 3 Teilbordüren in Gold u. Farben mit Akanthus-, Früchte- u. Blätterdekor, die erste auch mit 2 Vögeln, 1 sechszeiligen Initiale in Flüssiggold u. Farben, 6 dreizeiligen u. 1 zweizeiligen Initialen in Gold u. Farben, gefüllt mit Blumen u. Früchten sowie zahlr. ein- u. zweizeiligen Initialen in Gold auf braunem oder blauen Grund. (Bl. 39-51). Samtband d. Zt., berieben u. mit Bezugsschäden, ohne Rückenbezug, hinteren freien Vorsatz u. die Schließbänder; in mod. Hmaroquindecke u. Schuber, auf dem Rücken der Decke das Wappen der Grafen Chandon de Briailles.
Insgesamt ein Pontifikale von 51 Bll. (letztes weiß), aus zwei Teilen bestehend, deren zweiter (Bl. 39-51) für den Gebrauch von Amiens eingerichtet ist (z. B. Bl. 47: "Qualit[er] synod[us] fit in eccl[es]ia ambian[ensi]). Der erste Teil entstand vermutlich etwas früher, die Ausstattung des zweiten ist qualitätvoller. Die Litaneien im ersten Teil sind für den Gebrauch von Beauvais. Einen Übergang bilden Bl. 37v-38r (38v weiß): sie sind von derselben Hand geschrieben wie der zweite Teil und enthalten Auszüge aus "Ordo qualiter agendum sit feria quinta sesta et septima ante Pascha ex Ordinario capellanorum Papae et e Missali." Auch das später eingefügte Bl. 7 (verso mit Teilbordüre u. vierzeiliger Initiale) ist stilistisch dem zweiten Teil zuzuordnen.
Auf Bl. 1 und Bl. 47 jeweils ein Wappen: Auf Rot ein goldener, nach links aufsteigender Löwe. Auf Bl. 1 wurde dieses Wappen nachträglich auf die Bordüre gemalt, auf Bl. 47 wurde ein Wappen übermalt. Es dürfte sich um das Wappen des Geoffroy de La Marthonie (?-1617) handeln, der 1576 Bischof von Amiens wurde; seine Familie führe dieses Wappen. Geschrieben wurde vorliegendes Pontifikale allerding für François de Halvyn (auch "de Halluin" "de Halwin" oder "de Hallwin"; ?-1538), ab 1503 Bischof von Amiens. Die Umrisse seines Wappens sind auf Bl. 47v (sowie auf den folgenden Blättern) schwach zu erkennen. Aus seinem Besitz sind mehrere Pontifikale bekannt, die teilweise in der Ausstattung ähnlich sind oder das gleiche (tlw. ebenso übermalte) Wappen aufweisen: Paris, Bibliothèque National (ms. lat. 971); Besançon, Bibliothèque municipale (ms. 135); Baltimore, Walters Art Gallery (ms. W. 303). - Hier u. da etwas wasserfleckig, Bll. 11v bis 15r stärker; sonst stellenw. leicht fleckig; vereinzelte Marginaliem, Bl. 40v-41r im unteren Rand mit längerem EIntrag von alter Hand. - Spiegel mit gest. Wappenexlibris des Jean-Franç-Paul Le Févre de Caumartin (1668-1733): "Ex cata[lo]go bibliothecae Caumartinae". Hier das vor 1719 verwendete Exlibris, in diesem Jahr wurde er Bischof von Blois. Sein Großonkel Francois Le Févre de Caumartin (1587-1652) war ab 1618 Bischof von Amiens. Im 1734 erschienenen Auktionskatalog von Jean-Franç-Pauls Bibliothek (Catalogue des Livres de la Bibliotheque de Jean-François-Paul Le Febvre de Caumartin, Paris 1734; Versteigerung ab 9. Januar 1735) ist die Handschrift auf S. 621 unter Nr. 6327 zu finden ("Pars Pontificalis in fol. sur velin"). Im Katalog 675 ("Codices manu scripti ... Incunabula xylographica et typographica") der Firma Joseph Baer in Frankfurt (1921) wurde die Handschrift als Nr. 64 (S. 39) für 10.000 Mark angeboten (mit einer falschen Zuschreibung des Wappens an Kardinal George d'Armagnac). Exlibris "au Cte. Chandon de Briailles" (François Chandon de Briailles, 1892-1953), darauf handschriftlich "MSS. 7“. Im Katalog "Bibliothèque de Mr. Le Comte C. de X..." (Auktion 2./3. Dezember 1954 bei Drouot in Paris) beschrieben auf S. 9 unter Nr. 19.
Pontifical in Latin, manuscript on vellum. With borders and initials in gold and colours. Written for François de Halvyn, 1503-1538 bishop of Amiens, his arms on leaf 47 painted over and replaced by that of Geoffroy de La Marthonie, bishop of Amiens 1576-1617, this arms also on leaf 1. Containing 2 parts written by different hands and somewhat differing in quality. - Some waterstaining here and there, heavy to leaves 11v-15r; slight staining here and there; scattered marginalia; old entry to lower bottoms of 40v and 41r. Contemporary velvet, worn, lacking spine. In recent half morocco chemise and slipcase.
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Recueil d'Epigrammes. Handschrift um 1780
"Recueil d'Epigrammes, Odes, Madrigaux, Stances Fables &. &." - "Idée Generale du Mechanisme du vers Français Et quelques Remarques Generales sur l'Eglogue, L'ode et les petits Poëmes". Französische kalligraphische Handschrift auf Papier. O. O., um 1780(?). 4to (30:24 cm). Mit 2 kalligraphischen illustrierten Titeln. 425 S., 9 Bll. Register (d.l.w.), 14 Bll. (d.l.w.). Roter Maroquinband d. Zt. mit Vorsätzen aus Modelpapier, reicher Rückenvergoldung, goldgepr. Tripplefileten, Eckfleurons, Steh- u. Innenkantenvergoldung sowie Goldschnitt, gering berieben.
Reichhaltige Sammlung poetischer Zitate, meist mit Angaben der Dichter. Schöne Handschrift eines Schreibmeisters in kalligraphischer moderner Kursive. Ein sehr ähnliches Exemplar mit geringfügig abweichendem Titel ("Recueil D'Epigram[m]es, Odes, Madrigaux, Stances Fables") von demselben Kalligraphen befindet sich in der Nationalbibliothek der Tschechischen Republik (Signatur G IV 000040). Jene Handschrift unterscheidet sich jedoch im Aufbau und ist mit insgesamt 150 Seiten von wesentlich geringerem Umfang und auch ohne den hier vorhandenen Teil "Idée Generale du Mechanisme du vers Français". - Provenienz: Aus der Fürstlich Auersperg'schen Bibliothek in Wien mit gest. Wappenexlibris auf dem Innendeckel. Schönes Exemplar in vorzüglichem Einband.
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Blätter aus D. G. Mörcks Tagebuch. Nach 1840. 2 Bde.
Schleswig-Holstein. - Blätter aus D. G. Mörcks Tagebuch 1840. 2 Bde. Deutsche Handschrift auf Papier. Nach 1840. Blattgr. 19:11,5 cm, Schriftspiegel 16:9 cm. Deutsche Kursive in schwarzer Tinte. Mit 3 Aquarellen. 2 n.n. Bll., 101 Bll.; 2 n.n. Bll., Bll. 102-274. Lwd. d. Zt. mit floraler Prägung, Deckelfileten, etwas Rvg., goldgepr. Deckeltitel (Bd. 1) u. goldgepr. Ldr.-Deckelschild sowie dreiseitigem Goldschnitt; kaum bestoßen, etwas ausgebleicht.
Auszug aus dem Tagebuch von Detlef Grube Mörck, Amtspförtner des Amts Reinfeld. Dieser wurde den Schleswig-Holsteinischen Anzeigen vom 30.10.1850 nach aus dem Dienst entlassen, nachdem er sich nach Dänemark abgesetzt hatte. Gewidmet dem Geheimen-Etatsrat Adler (wohl Johan Gunder Adler, 1784-1852). Der erste Band mit ausführlichen Aufzeichnungen über die Einkünfte der Amtsdiener, Amtspförtner und Polizeiwächter der Ämter in Traventhal, Reinfeld, Rethwisch, Gieschenhagen. Einen Teil des zweiten Bands nimmt die Abschrift seines Gesuchs an den König mit der Bitte um die vakante Amtspförtnerstelle in Traventhal ein, gefolgt von der Beschreibung seiner Reise nach Plön und der Audienz beim König. Weiterhin finden sich auch Kapitel mit Aufzeichnungen über Geschehnisse aus seinem dienstlichen Leben, bspw. betitelt: "Der Wunder Doctor“, "Der Amtmann und der Huffner“, "Die ausgesetzte Familie“ u. "Der Knabe aus Fehrmann“. Auch Abschriften von Zeitungsartikeln zu besonderen Begebenheiten wie bspw. der Besuch von König Christian VIII. u. Königin Caroline Amalie in Reinfeld am 1. September und für ihn bemerkenswerten Themen. Die Aquarelle mit Darstellungen von Ehrenpforten, welche anlässlich des königlichen Besuchs aufgestellt wurden.
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An Early Manuscript of a Major Work of Stoicist Philosophy
Seneca, Epistulae morales. Handschrift auf Pergament. 14. Jh.
Seneca, L. A. "Epistolae et alia" (Rückentitel). Lateinische Handschrift auf Pergament. Norditalien (?), wohl 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Fol. Blattgr. ca. 28:20 cm, Schriftspiegel ca. 19:14 cm. 2 Kolumnen, 50 Zeilen. Rotunda in brauner Tinte, Überschriften tlw. in Rot, vereinzelt rubriziert. Mit 4 großen zweifarbigen sowie zahlr. zwei- bis fünfzeiligen roten und blauen Fleuronné-Initialen mit Filigranausläufern am Rand. 2 nn., 119 modern num., 1 w. Bl. u. Bl. 120. Prgt. d. 19. Jh. mit rotem Rsch., spätere Vorsätze, Exlibris vom vorderen Spiegel entfernt. In moderner Maroquinkassette.
Im Handel mittlerweise extrem seltene und bemerkenswerte Handschrift mit mehreren bedeutenden Schriften des römischen Philosphen Seneca. Die Schriften Senecas und seine Lehren zeichnen sich durch Verständlichkeit und lebenspraktische Anwendbarkeit aus. Zusammen mit Marc Aurel und Epiktet ist Seneca der berühmteste Vertreter der Stoa.
Die Handschrift ist geschrieben in abkürzungsreicher, aber gleichmäßiger und gut lesbarer Schrift. Enthalten ist zunächst aus den 'Dialogi': Das an Nero gerichtete 'De clementia' (in Auszügen) in dem er die berühmte "Clementia Caesaris" als die wichtigste Herrschertugend, gleichzusetzen mit der "Humanitas", beschreibt. 'De providentia' (hier: 'De fato', mit den berühmten Passagen zum Thema: wie göttliche Allmacht mit menschlichem Leid vereinbar sein soll, 'De constantia sapientis' und 'De ira' (in 3 Büchern). Das umfangreichste enthaltene Werk sind die 'Epistulae morales ad Lucilium', die zu Senecas Hauptwerken zählen. Das Schlussblatt mit dem angeblichen Briefwechsel zwischen Seneca und dem Apostel Paulus, eingeleitet durch den heiligen Hieronymus, abgeschlossen mit der angeblichen Grabinschrift des Seneca: 'Epythaphium supra tumulum Senecae'. "Ziel des Briefwechsels war offenbar, die Nähe der Stoa zu Grundanschauungen der christlichen Lehre zu dokumentieren und die Beschäftigung mit 'heidnischer' Literatur zu rechtfertigen" (Verfasserlexikon VIII, 1083). Dieses Blatt stammt von einer anderen Hand, ist der Handschrift aber schon lange beigebunden. Kollation (nach der modernen Foliierung in Bleistift): 1r-2r: De clementia. - 2r-5r: De providentia. - 5r-9r: De constantia sapientis. - 9r-13r: De ira liber I. - 13r-19r: De ira liber II. - 19r-26v: De ira liber II. - 27r-119v: Epistulae morales. - 120r-v: Epistulae Senecae ad Paulum et Pauli ad Senecam.
Die Briefe an seinen Freund Lucilius, die vermutlich von vornherein zur Veröffentlichung vorgesehen waren, schrieb Seneca etwa von Herbst 62 bis Herbst 64, als er sich aus der Politik zurückgezogen hatte; im Jahr 65 wurde er von Nero zum Selbstmord gezwungen. "Ungeachtet der Vielfalt ihrer Einzelthemen kreisen (die Briefe) um das eine ausschlaggebende Thema praktischer stoischer Ethik: Philosophie als einziger Weg zu glückseligen Leben" (Verfasserlexikon VIII, 1082). Brief 106 endet übrigens "... non vitae sed scholae discimus", woraus die berühmte Phrase "Non scholae sed vitae discimus" entstand. Von den 'Epistulae morales' sind 124 Briefe in 20 Büchern überliefert. Die Einteilung in Bücher wurde schon in der Antike, vermutlich von Seneca selbst, vorgenommen. Da Aulus Gellius aus Buch 22 zitierte, muss es weitere Bücher gegeben haben.
Die Briefe in der vorliegenden Handschrift sind nicht nach Büchern geordnet. Bis Bl. 48v ("Lii") sind sie in Rot numeriert, danach von etwas späterer Hand in brauner Tinte, meist im Rand. Die Briefe 7 und 8 sind vorliegend als ein Brief "vii"aufgefasst worden, Brief 9 aufgeteilt in "viii" und "viiii", Brief 11 in "xi" und "xii", Brief 48 in "xlviiii" und "Quingasei(m)a". Ein späterer Leser hat hier jeweils korrigierend eingegriffen und z. B. entsprechende Initialen mit dem Griffel ausgestrichen und am Ende von Brief 7 ein "Vale" sowie vor Brief 8 eine Initiale eingefügt. Die in der Zählung der Briefe entstandenen Fehler führen dazu, dass der letzte Brief "cxxv" numeriert ist, was zu einem entsprechenden Zusatz am Schluss führt. Besonders die 'Epistulae morales' in dieser Handschrift wurden von alter Hand mit zahlreichen Marginalien versehen, stellenweise auch mit Interlinearglossen.
Ein auffälliges Merkmal dieser Handschrift ist, dass Brief 75 zwischen die Briefe 58 und 59 eingeordnet ist. Jeanine Fohlen, die die Textgeschichte der 'Epistulae morales' in mehreren Abhandlungen untersucht hat, ordnet die Manuskripte, in den sowohl Brief 75 zwischen Brief 58 und 59 eingeordnet ist, als auch die Briefe 11, 9 und 48 irrtümlich geteilt wurden, in die Gruppe I.3.3.2 a) ein; in einigen Manuskripten dieser Gruppe sind zusätzlich die Briefe 7 und 8 irrtümlich zusammengefasst worden. Siehe J. Fohlen, La tradition manuscrite des 'Epistulae ad Lucilium' (IXe s.-XVIe c.). In: Giornale Italiano di Filologia, Bd. 52 (2000), S. 123 u. vgl. S. 139. - Vereinzelt etwas fleckig; wenige Fehler im Pergament, Bl. 67 mit Randfehlstelle; gegen Ende mit Wurmspuren im weißen Rand; die beiden nicht numerierten Blätter tlw. alt beschrieben und fleckig. - Provenienz: Privatsammlung Schweiz.
An extremely rare and remarkable manuscript of a major philosophical text. It comprises several important writings, partly extracts, by the Roman philosopher Seneca. Seneca's teachings are characterised by their comprehensibility and practical applicability, and - especially in recent times - they gained public interest in regard to modern psychotherapy. Seneca numbers together with Marc Aurelius and Epictet amongst the most famous representatives of Stoicism.
This manuscript is written on vellum in the 14th century and contains 4 works of Seneca ('De clementia' in an abridged version, for the others see German commentary) and his 'Epistulae morales ad Lucilium' (Moral Letters to Lucilius). At the end by another hand 1 leaf with the fictious correspondance between Seneca and St. Paul. - Especially the Letters richly annotated. Some staining here and there; few vellum flaws; marginal worming at end; staining and old entries to 2 leaves at beginning. 19th century vellum with later endpapers, bookplate detached. Recent morocco box.
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(Livre de la gnomonique). Französische Handschrift, ca. 1720
Sonnenuhren. - (Livre de la gnomonique). Französische Handschrift auf Papier. Ohne Ort, erstes Drittel des 18. Jahhunderts. Blattgr. 29:19,5 cm, Satzspiegel ca. 24:14,5 cm. Ca. 26 Zeilen. Saubere lateinische Kursive mit kalligraphischen Details. Mit zahlreichen, teilw. ganzseitigen schematischen Federzeichnungen. 105 (11 leere) nn. Bll. Ldr. d. Zt. mit Rvg. u. goldgepr. Deckelfileten; Gelenke teilw. restauriert. In mod. brauner Maroquin-Kassette mit goldgepr. Rtit.
Außergewöhnlich sorgfältige ausgeführte Handschrift zur Berechnung von Sonnenuhren und den für diese nötigen Daten wie Koordinaten, Position der Sonne und des Horizonts etc., unterteilt in 5 Kapitel ("livres"). Insgesamt 182 beschriebene Seiten. Ein Titelblatt war offenbar nie vorhanden. Beginnt mit dem "Préface au lecteur" (2 S.) gefolgt von einer Einleitung "Desfinitions du premier livre de la gnomonique" (8 S.). Das Papier überwiegend mit Wasserzeichen "G ARTAVD". Briquet II, 662 nennt einen Guillaume Artaud in Ambert (Auvergne) mit 2 Papiermühlen für das Jahr 1717. Weitere Mitglieder der Familie Artaud (Claude, Jean und Pierre) lassen sich um die Mitte des 18. Jh. als Betreiber von Papiermühlen nachweisen. Der Rückentitel "GNOM TO.I." legt nahe dass ein weiterer Band zumindest geplant war. - Sauber und kaum gebräunt. Die breiten Linien der Initialen leicht durchschlagend.
Carefully executed French manuscript on the calculation of sundials, coordinates, position of the sun and the horizon, etc., divided into 5 chapters ("livres") with numerous, partly full-page schematic pen and ink drawings. A total of 182 written pages. There was apparently never a title page. Begins with the "Préface au lecteur" (2 pp.) followed by an introduction "Desfinitions du premier livre de la gnomonique" (8 pp.). The spine title "GNOM TO.I." suggests that a further volume was at least planned. - Clean and barely browned. The broad lines of the initials slightly showing through. Bound in contemp. full-calf, spine gilt, gilt fillet borders; joints restored. Housed in modern brown morocco clamshell box.
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"Geleitzugsicherung bei der 'Wilhelm Gustloff'"
Tagebuch und Fotos zum Torpedoboot Löwe. 1945-46
Torpedoboot Löwe. - Tagebuch des Maschinenobergefreiten Sachwitz 1945-1946. Deutsche Handschrift auf Papier. Blattgr. 16:10,5 cm. Mit 2 ganzseit. technischen Zeichnungen in Bleistift. 41 beschriebene Seiten, zahlr. weiße Bll. Hlwd. d. Zt., berieben u. etwas bestoßen, Buchblock angebrochen. - Dazu: 129 Fotografien (darunter wenige Dubletten) aus den Jahren 1941-1945, überwiegend an Bord der "Löwe" entstanden, auf 19 losen Kartonbll.
1940 erbeutete die deutsche Kriegsmarine vier norwegische Torpedoboote der Sleipner-Klasse. Die "Gyller" wurde in "Löwe" umbenannt und lag danach überwiegend in Gdynia (Gotenhafen) in der Danziger Bucht. Bekannt wurde die "Löwe" vor allem dadurch, dass es das einzige Begleitschiff der "Wilhelm Gustloff" war, als diese am 30. Januar 1945 mit etwa 10000 Menschen an Bord torpediert wurde. Das vorliegende Tagebuch setzt am 29. Januar ein. Der Untergang der "Wilhelm Gustloff" und die Rettung von Überlebenden werden knapp beschrieben. Auf den folgenden Seiten lassen sich die weiteren Bewegungen der "Löwe" nachvollziehen. Mehrere Geleitzugsicherungen werden erwähnt und Artilleriebeschuss und Bombardierungen in Gotenhafen beschrieben. Zwischen dem 27. März und dem 26. April befand sich die "Löwe" in verschiedenen Häfen Bornholms, wo die Besatzungsmitglieder auch infanteristisch augebildet wurden, dann ging es nach Kiel, Neustadt und Flensburg, wo sie bei Kriegsende lag. Die besonderen Begenbenheiten in Flensburg-Mürwik, wo die letzte Reichregierung unter Großadmiral Dönitz bis zum 23. Mai ihren Sitz hatte, werden an verschiedenen Stellen deutlich, so überlegt Sachwitz Mitte Mai, sich als Freiwilliger für den "Wachzug Dönitz" zu melden, ein bewaffnetes Wachbattaillon, das noch nach Kriegsende tätig war. Der Selbstmord von Admiral von Friedeburg wird recht ausführlich mit umgehenden Gerüchten erwähnt; die Munitionsexplosion am 14. Juni ausführlich beschrieben. Sachwitz blieb bis zum 27. Juli an Bord der "Löwe", die am 28. Juli 1945 Flensburg verließ und an Norwegen zurückgegeben wurde. Obwohl er und seine Kameraden Kriegsgefangene waren, konnten sie sich in Flensburg zeitweise offenbar ungehindert bewegen, so hatte Sachwitz eine Beziehung zu einer Frau, die ihn sehr beschäftigte, und konnte sich auch eine zivile Arbeitsstelle suchen. Das Tagebuch endet am 20. März 1946: "Abfahrt von Flensburg". Die technischen Zeichnungen zeigen Leitungssysteme, z.B. "Abdampfleitung Turbinenraum II". - Die Fotografien, meist im Format 7:10 cm, einige größer (bis ca. 17:23 cm) oder kleiner, sind auf 17 lose, grün-graue Albumblätter geklebt, von denen eines betitelt ist "Meine Bordzeit auf Torpedoboot 'Löwe'". Einem Eintrag im Tagebuch zufolge war Sachwitz mindestens drei Jahre an Bord. Die meist privaten Fotografiien zeigen meistens Kameraden an Bord - auf und unter Deck - in verschiedenen Situationen, aber auch andere Schiffe etc. Zum überwiegenden Teil die Fotografien mit Legenden auf den Kartonbll., darunter auch "Weihnachten 1943 an Bord" und "Flotillenschwimmfest in See". 15 Fotografien sind auf 2 neuere Kartonblätter getackert und zeigen Sachwitz, u.a. beim "1. Landgang 1941" an der U-Bootschule in Neustadt/Holstein und "Nach dem einlaufen in Neksö (Bornholm) im März 1945". - Das Papier des Tagebuchs gleichmäßig etwas gebräunt. Mehrere Seiten mit Streichungen, Unterstreichungen oder Markierungen in Kugelschreiber, dadurch das erste Blatt des Textes (mit Namenslisten) mit einem Ausriss mit Textverlust, ein weiteres Blatt mit Läsuren, 1 etwas wasserfleckig; wenige zeitgenössische Streichungen. Etwa 5 Fotografien entfernt. Wenige Fotografien fleckig. Wo Sachwitz selbst im Bild ist, ist er meist mit Kugelschreiber markiert. Eine Reihe von Fotografien mit Löchlein von Tackernadeln.
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Weber, Freischütz. Notenhandschrift 1825-35. 23 Bde.
Weber, Carl Maria von. "Der Freischütz, große romantische Oper in 3 Akten". Zeitgenössische deutsche Notenhandschrift auf Papier. 3 Bde. Deutschland um 1825-35. Qu.-fol. (25:33,5 cm). Text und Noten in schwarzer Tinte auf bis zu 16 handlinierten Notensystemen pro Seite. Ca. 500 S. Pp. d. Zt., teilw. berieben, Ecken u. Kanten bestoßen, Deckelbezug von Bd. 3 teilw. entfernt. - Dazu: Orchesterstimmen (s.u.).
Zeitgenössisches Manuskript von Webers berühmtestem Werk, das am 18. Juni 1821 im Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt mit aufsehenerregendem Erfolg uraufgeführt wurde. Volllständige Partitur in drei Bänden, bestehend aus der Ouvertüre und 16 Nummern. Text in Deutsch, Stichworte für gesprochene Dialoge in Tinte auf unlinierten Seiten und in den Rändern. - Teilw. fleckig bzw. fingerfleckig, stellenweise Feuchtigkeitsspuren, teilw. etwas angeschmutzt. - Dazu: Der Freischütz. Zeitgenösssische Notenhandschrift auf Papier. Orchesterstimmen für Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotte, Hörner in F und C, Trompeten in C, Pauken und Streicher. 20 Bände. Fol. (31:24 cm). Text und Noten in schwarzer Tinte. 4-20 Bll. pro Heft. Umschläge. d. Zt. mit Deckelschild; angestaubt, einige Randläsuren u. Feuchtigkeitsspuren. - Teilw. fleckig, vereinzelte Feuchtigkeitsspuren u. Randläsuren, vereinzelt knapp beschnitten, einige Korrekturen. - Zus. 23 Bde.
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