Autographen
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Chessa, Eigenh. Brief mit Unterschrift + 2 Beil.
Chessa, Gigi (Maler u. Innenarchitekt; 1898-1935). Eigenhändiger Brief mit Unterschrift. Balme, 5. Sept. (19)26. (19,5:14,5 cm). 1 Doppelblatt, davon 1 S. beschrieben. - Dazu: Francesco Spetrino (Komponist u. Dirigent; 1857-1948). 1 Empfehlungskarte und 1 Schreiben. (11:14,5 u. 18,5:12,5 cm). - Zus. 3 Bll.
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"Der heßliche Nordwind wehet noch..."
Claudius, Eigenhändiger Brief an Caroline Perthes
Claudius, Matthias (Dichter, 1740-1815). ). Eigenhändiger Brief mit Monogramm "MC." W(andsbek), 11. Mai 1802. 4to (23:18,5 cm). 1 S. Mit Siegelrest und Adresse.
An Caroline Ilsabe Perthes (1774-1821), seine mit dem Verleger Friedrich Christoph Perthes verheiratete jüngere Tochter, in Hamburg, "Breitgiebel".
"Liebe Caroline, der heßliche Nordwind wehet noch, und wir sind bange, daß d[er] H[err] Doctor Coppenberg eine Sentenz zu unserm Aerger abgebe. Nun, wir werden sehen. Wenn Du kommst, und reichlich mit Butter versehen bist, bittet Mama, daß Du ein paar £ mitbringest, bis sie gekauft hat.
Und noch eine Commißion. Der Baron Gravenstein hat eine Kinderwärterinn die nicht trägt. Wenn die Frau Schreck nicht engagirt wäre und Lust hätte; so wollten sie wohl diese Frau Schreck engagiren. Die Frau Baronesse stillt bis dato selber, und die Frau Schreck hat nichts zu thun als das Kind zu warten und zu pflegen.
Sind noch nicht Briefe aus Quedlinburg angekommen? Teile sie doch mit, wir sind sehr begierig darauf, um Perthes und Johannes willen...".
Leicht geknittert u. mit kl. Randdefekten, an den Faltspuren gering gebräunt u. wenige kl. Fehlstellen. - Provenienz: Laut beiliegender Bleistiftnotiz ein Geschenk von Elisabeth Perthes, einer Urenkelin von Caroline Perthes, datiert Gotha, 14. Sept. 1948. Elisabeth hatte gemeinsam mit ihrer Schwester Magdalena in den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts einen Großteil des Nachlasses ihres Großvaters Andreas Perthes (1813-1840) verschenkt oder verkauft (vgl. D. Moldenhauer, Geschichte als Ware: Der Verleger Friedrich Christoph Perthes, S. 49, Anm. 209).
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Friedrich d. Gr., 2 Briefe in Ledermappe
Friedrich II., der Große, König v. Preußen (1712-1786). 2 Briefe von Schreiberhand, jeweils mit eigenhändiger Unterschrift "Friedrich". Potsdam, 25. Nov. u. 9. Dez. 1755. 4to (24:19 cm) u. fol. (34:22 cm). Je 1 S. Zus. in Kalbldr.-Mappe um 1800 mit Rvg. u. goldgepr. Rsch., neuere Einschlagklappen.
An Anthon Friedrich Groschopp (1708-?), seit dem 25. Januar 1754 erster Direktor der Kurmärkischen Kriegs- und Dömänenkammer. Der Brief vom 25. November ist an Groschopp persönlich gerichtet: "... Es ist Mir gantz lieb gewesen, aus Eurem Bericht vom 23' dieses zu ersehen, daß Ihr und der Neümarcksche Krieges Rath Flesch, Euch mit dem Magdeburgischen Cammer Director Cautius überall concerfiret habet, wie der Transito Impost auch Durchgangs Accise, auf den Magdeburgischen Fuß und nach gleichen Sätzen in beyden Provintzen berechnet werden sollen. Was sonsten die von Euch noch mit angeführte Umstände anbetrift; da sollt Ihr mir davor sorgen, damit in der Provintz Churmarck alles so beobachtet werde, wie es seyn muß, von die Neümarck und anderer Provintzien aber werde Ich selbst besorgen, was darunter zu thun seyn wird...". Ernst Gottlob Cautius (1707-?) war wenige Tage vor Groschopp zum Direktor der Kriegs- und Domänenkammer Magdeburg ernannt worden. Das zweite Schreiben ist an die "Churmärckische Krieges- und Domainencammer" adressiert und betrifft ebenfalls die Erhebung des "Transitoimposts" (Durchgangsabgabe) und das Stapelrecht der Stadt Magdeburg. Mit Registraturvermerk vom 10. Dez. 1755 und eigenhändiger Kenntnisnahme Groschopps. 1763 wurde gegen Groschopp wegen Holzwuchers und anderer Delikte eine Untersuchung eingeleitet, im Februar 1764 wurde er wegen Veruntreuung zu einer vierjährigen Festungshaft verurteilt. Die beiden Briefe wurden von verschiedenen Schreibern angefertigt, beide auf Büttenpapier mit Wasserzeichen (Bischof mit Mitra und Stab sowie den Initialen "MNH"). - Der Foliobogen leicht geknittert u. mit schwachem Braunfleck.
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"Eau de vie et miel à la manière de Pologne"
Friedrich d. Gr., Brief mit Unterschrift. 1768
Friedrich II., der Große, König v. Preußen. Brief von Schreiberhand mit eigenhändiger Unterschrift "Federic". Potsdam, 9. Nov. 1768. 4to (23:18,5 cm). 1 S. auf 1 Doppelblatt.
An die "Administration générale des accises et des péages", eine Bitte des Fürsten Korybut Woroniecki in Königsberg betreffend. "... Il supplie très humblement Sa Majesté de privilégier les deux Maisons, dont il y a fait l’acquisition, à l’effet du pouvoir biasser, faire de l’eau de vie et du miel à la manière de Pologne...". Die sogenannte "französische Regie", eine Steuerbehörde für Luxusgüter nach französischem Vorbild, war im April 1766 von Friedrich d. Gr. eingerichtet worden. auf Papier mit Wasserzeichen "HR". - Zwei kleine Löchlein außerhalb des Textes, das leere Blatt mit Eckabschnitt.
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Spitzenmanufaktur in Potsdam
Friedrich d. Gr., Brief mit Unterschrift. 1777
Friedrich II., der Große, König v. Preußen. Brief von Schreiberhand mit eigenhändiger Unterschrift "Federic". Potsdam, 16. Juni 1777. 4to (23:18,5 cm). 1/2 S. auf 1 Doppelblatt.
An Marc Antoine André de la Haye de Launay (1726-1808), "Conseiller de finances" und Direktor der "Administration générale des accises et des péages", in Berlin. "L'exemtion des 7 pour cent, que l’entrepreneur de la fabrique dentelles d’ici, le Juif Ephraim, demande, dans sa requête ci jointe en original, pour ses dentelles, Me parait bien juste. Mon intention ne sauroit jamais être, de soumettre, à de pareils droits, les marchandises, qui se fabriquent dans Mes états, et ils ne sauroient jamais se combiner, avec le désir, que J’ai, de favoriser ces mêmes fabriques, & de les porter à leur perfection...". Der Berliner Kaufmann und Geheime Regierungsrat Benjamin Veitel Ephraim (1742-1811), befreundet mit Lessing und Moses Mendelssohn, besaß in Potsdam eine Manufaktur für Brabanter Spitzen und gründete eine daran angeschlossene Industrieschule für Mädchen. Ephraim, der 1790 von Friedrich Wilhelm II. als Informant nach Paris gesandt worden war, wurde nach seiner Rückkehr als Parteigänger der Französischen Revolution diskreditiert und starb nach mehrjähriger Haft in Armut (vgl. Enc. Jud. VI, 810 f.). Auf Papier mit Wasserzeichen "HR". - Faltspuren, das leere Blatt mit Eckabschnitt.
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118 Briefe von Jung-Stilling
Jung-Stilling, Briefe an F. R. Salzmann
Jung-Stilling, Johann Heinrich (pietistisch-mystischer Schriftsteller, Augenarzt u. Ökonom; 1740-1817). Sammlung von 118 eigenhändigen Briefen und 1 eigenhändigen Schriftstück, alle mit Unterschrift. Marburg, Baden bei Rastatt (Baden-Baden), Karlsruhe, Rastatt u. Schloss Favorite bei Rastatt, 1799-1812. Verschiedene Oktav- u. Quartformate. Je 1-8 S. (zus. ca. 315), 49 Briefe mit Adresse, oft mit Siegel oder Siegelrest. Gebunden in etwas spät. Hlwd. mit goldgepr. Rtit., Deckel berieben, Kanten etwas bestoßen, Rücken mit kl. Fehlstellen.
Durchgehende Folge von teils sehr umfangreichen, bis zu acht eng beschriebene Seiten umfassende Briefen Jungs an seinen engen Freund Friedrich Rudolph Salzmann (1749-1821) in Straßburg. Der elsässische Theologe und Jurist Salzmann (auch: Saltzmann), nicht zu verwechseln mit seinem aus Goethes "Dichtung und Wahrheit" als "Actuarius" bekannten Vetter Johann Daniel S., war als Journalist und Herausgeber der "Straßburger Zeitung" tätig. Salzmann war Mittelpunkt des literarischen Kreises der "Deutschen Gesellschaft" in Straßburg, er war mit Johann Caspar Lavater, Johann Friedrich Oberlin und Gottlieb Konrad Pfeffel befreundet und verkehrte mit dem jungen Johann Wolfgang von Goethe und Jakob Michael Reinhold Lenz. Seine Freundschaft mit Jung-Stilling währte mehr als sechzehn Jahre. "Wann und wo diese Freundschaft begann, ist nicht auszumachen... Beide kannten die meisten Schriften des jeweils anderen, tauschten sie aus und korrespondierten über sie, durchaus kritisch und mit Differenzen. Jung-Stilling hat Saltzmann wohl mindestens fünf Mal in Straßburg in der Kettengasse 2 besucht: 1806, 1808, 1810, 1811 und 1812 - im Zusammenhang mit Kuren von Jung-Stillings Frau im Elsaß, mit anderen Besuchen und im Zusammenhang mit dem mißglückten Versuch von 1810, den Sohn Friedrich in Straßburg erst eine Lateinschule, dann eine Kaufmannslehre absolvieren zu lassen (wobei Saltzmann anscheinend zu helfen versuchte)" (G. Schwinge, Jung-Stilling als Erbauungsschriftsteller, Göttingen 1994, S. 173 f.).
Aus den Jahren 1801 bis 1810 sind 126 Briefe Salzmanns an Jung-Stilling erhalten, die sich heute in der UB Basel befinden (Nachlass Schwarz, Abt. VII) und in der neueren Forschung ausgewertet wurden (vgl. J. Keller, Le théosoph alsacien Frédéric-Rodolphe Saltzmann, Bern 1985). Von den korrespondierenden Briefen Jung-Stillings an Salzmann waren bisher jedoch nur sechzehn aus den Jahren 1811 bis 1816 (Arch. d. Theol. Fakultät Erlangen) sowie ein kurzer Brief vom 22. Januar 1807 (StuLB Dortmund, Atg.4951) und ein längerer vom 29. Sept. 1811 (UB Münster) bekannt (vgl. Schwinge, Korrespondentenverzeichnis S. 36: "viele andere Briefe an Saltzmann sind verloren gegangen"). Die vorliegende Briefsammlung stellt somit eine wesentliche und der Forschung bisher unbekannte erstrangige Quelle zu einer der wichtigsten Phasen in der Biographie Jung-Stillings dar, in der er unter anderem seine einflussreiche Volkszeitschrift "Der graue Mann" und die "Theorie der Geister-Kunde" publizierte. Sämtliche adressierten Briefe sind an Salzmanns Haus in der Straßburger Kettengasse gerichtet, in dem sich auch die Druckerei und der Verlag von dessen Schwiegersohn Johann Heinrich Silbermann befand. Viele der von Silbermann verlegten Werke wurden von Jung-Stilling im "Grauen Mann" rezensiert und dem Leser wärmstens empfohlen.
Der erste, zwei Seiten umfassende Brief Jung-Stillings an Salzmann datiert vom 30. Januar 1799, der Empfänger wird hier als "Buchdruker" adressiert und noch recht unpersönlich mit "Verehrungswerther Mann" angesprochen. Aus seiner Marburger Zeit, wo Jung-Stilling bis 1803 als Professor für ökonomische Wissenschaften an der Universität wirkte, sind nur acht Briefe vorhanden. Mit seinem Wechsel in badische Dienste wurde der Kontakt zu Salzmann wesentlich intensiver, aus dem Jahr 1806 liegen sechs Briefe vor, 1807 sind es bereits 27, die oft im Abstand weniger Tage folgen und bis zu acht Seiten umfassen. Die Briefanrede lautet jetzt meist "Mein theuerster und innigst geliebter Bruder", "Mein theuerster und von ganzem Herzen geliebter Bruder im Herrn" oder ähnlich. Neben den eigenen Werken Jung-Stillings und Salzmanns werden auch viele andere erwähnt, darunter Schriften von Madame Guyon, Charles Hector de Marsay und Gerhard Tersteegen. Behandelt werden theologische Fragen, familiäre und persönliche Dinge, erwähnt wird aber auch der Rat einer "sehr guten Freundin", auf bestimmte Zahlen im Lotto zu setzen. Vielfach sind die Briefe mit Salzmanns datiertem Antwortvermerk versehen, so dass sich die Korrespondenz einfach zuordnen lässt. Der letzte Brief der Sammlung stammt vom 27. September 1810 (Salzmanns Antwort erfolgte am 2. Oktober), doch das zeitlich letzte Dokument datiert vom 8. Juli 1812. Es handelt sich hierbei um ein von Jung-Stilling ausgestelltes Rezept für "Augenbalsam nach Bericht zu gebrauchen. Für Herrn Salzmann".
Unterschiedlich gebräunt, meist mit Falt- oder Knitterspuren, Adressblätter oft mit Siegelausschnitt oder -ausriss, einige Briefe durch Tintendurchschlag nur schwer lesbar, ein Brief aus der Bindung gelöst. Insgesamt sehr gut erhalten. - Provenienz: Privatsammlung Göttingen; deutsche Privatsammlung.
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Schumann, Schriftstück mit Unterschrift
Schumann, Robert (Komponist; 1810-1856). Schriftstück mit eigenhändiger Unterschrift "Dr. Robert Schumann". Dresden, 7. Februar 1847. Quer-schmal-4to (13:22 cm). 1 S. auf 1 Doppelblatt.
Verlängerung des Mietvertrages für die Etagenwohnung in der Großen Reitbahngasse 20 in Dresden, welche Clara und Robert Schumann im September 1846 bezogen hatten. "Unterzeichneter bescheinigt hiermit von dem Herrn Fritsche die erste Etage in Nro 20 große Reitbahngasse aufs Neue von Ostern bis Michaelis 1847 zu dem Preis von 70 Thalern gemiethet zu haben...". - Vertikale Faltspur.
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Wagner, Briefwechsel mit Sergio Chialamberto
Wagner, Winifred (Schwiegertochter Richard Wagners, Leiterin der Bayreuther Festspiele; 1897-1980). 49 maschinenschriftliche Briefe u. 1 eigenhändiger Brief, alle mit Unterschrift, vielfach mit eigenhändigen Zusätzen u. Korrekturen, sowie 3 gedruckte Briefkarten mit eigenhändiger Anrede, Zusätzen u. Unterschrift. Meist Bayreuth, 1974-1979. Überwiegend 4to (29,5:21 cm), 5 in Qu.-8vo (14,5:21 cm), 1 in 8vo (22,5:17,5 cm). Zusammen mehr als 190 S. Meist auf Briefpapier mit gedrucktem Briefkopf "Siegfried-Wagner-Haus".
Die außergewöhnlich umfangreiche und inhaltsreiche Korrespondenz Winifred Wagners mit ihrem "lieben, jungen Freund" Sergio Chialamberto in Istanbul. Der Briefwechsel beginnt am 13. Dezember 1974 mit einer kurzen Antwort Wagners auf eine Anfrage Chialambertos, den sie noch irrtümlich mit "Herr Sercio" anspricht, über immer länger werdende Briefe an den "Lieben Herrn Chialamberto", bis sie schließlich im Juli 1976 zum Du übergeht und ihre Briefe meist mehrere, oft fünf bis neun Seiten umfassen. Der letzte Brief stammt vom 15. Oktober 1979, am 5. März 1980 starb Winifred Wagner im Krankenhaus von Überlingen. Ihre Briefe sind fast ausschließlich mit Schreibmaschine geschrieben ("ich tippe selbst - daher die vielen Druckfehler!"), jedoch fast immer mit handschriftlichen Korrekturen und vielfach mit kurzen eigenhändigen Ergänzungen versehen.
Wagner schreibt ausführlich über ihre Vergangenheit, besonders über ihr Verhältnis zu Hitler ("kein Mensch wird mich je dazu bringen Adolf Hitler zu verleugnen"), Goebbels und Göring. Sie behandelt Hitlers Verhältnis zu Richard Wagner ("Die Beschäftigung mit Wagners Prosaschriften gaben ihm die Universalität des Wagnerschen Geistes zu erkennen - sein Kampf gegen die Überfremdung der deutschen Bühnen mit ausländischen Komponisten italienischer oder französischer auch natürlich mit jüdischer Herkunft"). Ihre Eindrücke von Goebbels beschreibt sie ausführlich in einem Brief vom 20. März 1978: "Er hatte viel Esprit - war hochgebildet -, ein scharfer Denker - ein beredeter Kritiker - immer logisch denkend und dazu mit einem südlichen Temperament begabt". Göring widmet sie mehrfach lange Passagen ("Er war Kavalier - hatte tadellose Manieren war mit viel Humor begabt... Grausam war Göring keines Weges. Er hat vielen Juden das Leben gerettet"). Die Verantwortung für die Nazi-Verbrechen gibt sie allein Martin Bormann ("Bormann hatte eine merkwürdig beherrschende Stellung bei Hitler und er war massgebend für alles was geschah!"). Wagner berichtet von ihren Begegnungen mit Mussolini ("Mein Eindruck von ihm war immer restlos positiv - er strahlte eine ungeheure Herzenswärme aus und war ein so musischer Mensch, dazu sein 'Römerkopf' und seine stolze Haltung"), ausführliche Erwähnung findet auch ihr Schwager Houston Stewart Chamberlain, aus dessen Feder sie unter anderem einen langen Brief zitiert.
Neben dem Werk Richard Wagners und den Bayreuther Festspielen nehmen auch andere musikalische und literarische Themen breiten Raum ein, Erwähnung finden u.a. Berlioz, Bernstein, Boris Goldstein, Karajan, Richard Strauss und Wagners Adoptivvater, der Liszt-Schüler Karl Klindworth, sowie Gerhart Hauptmann, Thomas Mann ("In Bezug auf seine Emigration weiss ich genau, das Goebbels... vergeblich versucht hat, Thomas Mann dazu zu bewegen in Deutschland zu bleiben") u.v.m. Auch das politische Tagesgeschehen spielt eine Rolle in den Briefen, darunter das Schleyer-Attentat, die Revolution im Iran und die Verhältnisse in der Türkei. Ein fünfseitiger Brief vom 7. September 1975 ist vor allem den Aufnahmen zu Hans-Jürgen Syberbergs aufsehenerregenden Dokumentarfilm "Winifred Wagner und die Geschichte des Hauses Wahnfried" gewidmet. Wagner fühlt sich von dem Regisseur, der auf sie zunächst "einen durchaus herrnmäßigen, anständigen u(n)d gebildeten Eindruck" gemacht hatte, "übel und hinterhältig" behandelt. Die Ausstrahlung der amerikanischen Fernsehserie "Holocaust" im Januar 1979 lehnt sie mit den Worten "von rachelüsternen Juden inspiriert" ab. Der nationalsozialistische Völkermord wird von ihr bis zum Schluss geleugnet: "Die meisten der begabten und intelligenten Juden, die nicht staatsfeindlich sich betätigt haben, sind nach Theresienstadt gebracht worden und dort ist ihnen kein Haar gekrümmt worden - am Schluss des Krieges sind sie alle wohlbehalten entlassen worden" (2. Feb. 1979).
Dem Brief vom 9. Febr. 1979 liegt ein Foto von Winifreds Sohn Wolfgang und seiner Frau Gudrun mit ihrer damals acht Monate alten Tochter Katharina bei, die heute die künstlerische Leitung der Bayreuther Festspiele innehat. Das letzte Stück der Sammlung bildet die an Sergio Chialamberto adressierte Todesanzeige für Winifred Wagner. - Alle Briefe sind in Klarsichthüllen eingelegt und wohlerhalten, zwei Briefe jedoch offensichtlich nicht vollständig.
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