Botany - Zoology

Lot 1207
(Domitzer), Newes Pflantzbüchlein

10,000.00 EUR
(Hammer price)

sold

"Vor dy Pestilentz zu Wittenberg"

(Domitzer, J.). Ein newes Pflantzbüchlein, Von mancherley artiger Pfropffung und Beltzung der Bawm. (Wittenberg), G. Rhau, 1529. (14:10 cm). 32 nn. Bll. - Angebunden: Eyn got nutzes puchle von vil ertznay der me(n)tzen ros und ander fich und wy man fisch fahen sol mit vil peberten schtuken flaysig zusamen geklaubth. Deutsche Handschrift auf Papier. O. O. u. J. (wohl Wittenberg, um 1528). Blattgr. 13,5:9,5 cm, Schriftspiegel 11:6 cm. Regelmäßige deutsche Kursive in brauner und roter Tinte. Mit zweifarbigen Initialen. 48 nn. Bll. (Bl. 43 u. 48 leer). Pp. d. frühen 19. Jh., etwas berieben u. bestoßen.

I. VD 16, D 2187 (verbesserte Neuaufnahme); Benzing, Domitzers Pflantzbüchlein (in: Das Antiquariat 1954, S. 273-274 u. Nachtrag 1955, S. 280), Nr. 1; Wimmer, Bibliographie der deutschen Gartenbücher, S. 10 u. 25 f.; Ders., Das älteste Gartenbuch der Welt (in: Zandera 22, 2007, Nr. 2), passim; vgl. Pritzel 2363 (Zwickau 1529) u. Güntz I, 107 (Straßburg 1530). - Erste Ausgabe des ältesten Gartenbuchs der Welt, sehr selten. "Eine Zeitlang glaubten wir, Charles Estienne, 'De re hortensi libellus', Paris 1536, wäre das älteste gedruckte Gartenbuch. Bei unsereren Recherchen für die Bibliographie der deutschen Gartenbücher 1471-1750 konnten wir dieses Verdienst aber einer deutschen Publikation zuschreiben, dem Pflantzbüchlein von Johann Domitzer, Wittenberg 1529... Die Existenz des Werkes wurde vereinzelt von Literaturwissenschaftlern und Antiquaren zur Kenntnis genommen, von Gartenhistorikern noch gar nicht. Die Wittenberger Erstausgabe wurde erst von Benzing 1954 entdeckt... Das Pflantzbüchlein ist zwar bescheiden aufgemacht, aber in der Originalausgabe durchaus nicht ohne Anspruch" (Wimmer). Domitzer, Sohn eines ehemaligen Augustiners aus Neustadt, wurde 1504 in Wittenberg immatrikuliert, der lutherische Charakter seiner Vorrede lässt vermuten, dass er Theologe war. Sein "Pflanzbüchlein" enthält Angaben zur Kultur, Pflege und Veredlung von Obstbäumen, beschrieben werden Aufastung, Beschneidung, Bodenlockerung, Düngung, Erdaustausch, Okulation, Propfen, Umpflanzung etc. Das Werk war außerordentlich populär, noch 1529 erschienen Nachdrucke in Straßburg und Zwickau, im 16. Jahrhundert sind bisher 19 weitere Ausgaben nachgewiesen, dazu zehn im 17. und eine im 18. Jahrhundert, zudem erschienen im 17. Jahrhundert drei Ausgaben als "Plantebog" auf dänisch. - Gleichmäßig etwas gebräunt,vor allem zu Beginn u. gegen Ende etwas fleckig, Titel unter Verlust der Holzschnitt-Bordüre beschnitten u. aufgezogen, Bl. A2 außen schmal angerändert, B6 am Kopf angeschnitten u. mit kl. Eckrestaurierung, D8 gelockert u. mit 2 kl. Restaurierungen im Rand.

II. Sehr bemerkenswerte und sorgfältig ausgeführte volksmedizinische Handschrift, entstanden unter dem Eindruck der Pestepidemie, die Wittenberg 1527 heimsuchte. Enthält zu Beginn (Bl. 1-24) Rezepte für Krankheiten der Menschen, darunter "Drey peberter schtuk vor dy pestilentz: zu wittenberg vor den armen man: so nith in dy apteken vormugen". Das dritte Rezept endet mit dem Hinweis "Dos schtuk ist zu bite(n)berg (Wittenberg) im 27 ior do dy pestelentz regireth: vo(n) eynem erfarnen medico an dray hundert person: wol bewayset und probirth worden". Weitere Anweisungen beschreiben "Junker iocobs von lichte(n)pergs gulden wasser", "Wen eyn mentz von der sune vorprent wirt das er am gesicht ader an henden schwarz ist", "Eyn bebert recept vor den schtayn"  etc. Es folgt (Bl. 25-32) eine Vieharznei, wobei besonders die Behandlung von Pferden berücksichtigt ist. Der dritte Teil (Bl. 33-42) ist der Herstellung, Lagerung und Anwendung von Wein und Essig gewidmet; das Schlusskapitel (Bl. 44-47) behandelt verschiedene Methoden zum Fang von Fischen und Krebsen. - Insgesamt etwas gebräunt u. stockfleckig.

Provenienz: Freies Vorsatz mit hs. Eintrag "Vom Franz Erban gewidmet". Der österreichische Kunst- und Landschaftsgärtner Franz Erban hatte 1892 den Kurpark in Reichenau an der Rax gestaltet. Vorsatz u. Montageblatt des Titel mit Stempel "Verein der Gärtner und Gartenfreunde in Döbling" (Wien).

2 works in 1 volume - I. First edition of the earliest printed book on gardening, very rare. - Some browning and staining, title-leaf cropped (with loss of woodcut border) and mounted, 3 leaves with marginal restorations, last leaf loosened. - II. German medical manuscript, written under the impression of the plague epidemic in Wittenberg in 1527. With an appendix on fishing. - Some browning and foxing. Early 19th century boards, somewhat rubbed and worn, with stamp of an Austrian horticultural society and manuscript dedication of a landscape gardener.

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