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Lot 2 *#
Album Amicorum des J. G. Anton

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Buchbinderstammbuch

Album Amicorum. - Lauban (Oberlausitz). - Stammbuch des Buchbinders Johann Gottlieb Anton aus Lauban. Ebda. sowie Altenburg, Augsburg, Bayreuth, Halle, Hanau, Hildesheim, Leipzig, Kassel, Ulm u.a., 1730-1782. Quer-8vo (9,5:16 cm). Mit kalligraphiertem Titel mit farbiger floraler Bordüre auf Pergament, 13 meist farbigen Zeichnungen, davon 8 auf Pergament, 5 Scherenschnittarbeiten und 10 (7 altkol.) Kupfern. 8 Bll., 357 S. (mit Paginierungsfehlern), davon 12 Bll. Pergament. Mit mehr als 140 Einträgen. Eingefärbter Prgt. d. Zt. mit goldgeprägter Deckelbordüre und Goldschnitt sowie Marmorpapiervorsätzen, in zeitgenössischen Kalbldr.-Schuber (12:19,5 cm) mit Deckel- u. Rückenvergoldung sowie rotem Rückenschild (Titelprägung: "Das Beste inwendig"); Einband etwas, Schuber stärker berieben, Vergoldung des Schubers abgegriffen, Ecken etwas bestoßen, Vorderdeckel mit Wurmspur.

Zu Anton vgl. Lausitzisches Magazin 15 (1782), S. 247-250; zur Genealogie u. weiteren Mitgliedern der Laubaner Familie von Handwerkern, Kaufleuten und Wissenschaftlern auch NDB I, 318 ff. - Das außergewöhnliche und kulturgeschichtlich bedeutende Freundschaftsalbum des aus Lauban (Luban) in der Oberlausitz stammenden Buchbinders Johann Gottlieb Anton (1709-1782), geführt vom Ende seiner Lehrzeit im April 1730 bis zum Sommer 1782. Das Stammbuch, dessen Einband und ungewöhnlich aufwändig gefertigter Schuber mit großer Sicherheit eine eigene Arbeit Antons sind, enthält nicht nur Einträge von Freunden und Familienmitgliedern sowie von bedeutenden Persönlichkeiten, die Anton auf seiner Gesellenreise durch Deutschland getroffen hat, sondern vor allem auch die Widmungen vieler anderer Buchbinder. Nachdem er sich selbst als Meister wieder in seiner Heimatstadt niedergelassen hatte, trugen sich dort auch die bei ihm untergekommenen "vazierenden" Gesellen ein. Der letzte Eintrag datiert vom 14. Juli 1782, wenige Tage vor Antons Tod, und stammt vom Buchbindergesellen Immanuel Ephraim Bürgel aus Schmiedeberg im Riesengebirge.

Nach dem Ende seiner vierjährigen Lehrzeit beim Görlitzer Buchbinder Martin Pauli, einem Onkel mütterlicherseits, ging Anton zunächst nach Leipzig und Halle, wo seine Brüder Johann Christian und Johann Traugott (beide auch mit Einträgen vertreten) an der Universität studierten. Von hier stammen u.a. die Widmungen der Mediziner und Naturforscher Michael Alberti (1682-1757) und Samuel v. Drauth (1706-1739) sowie des Philologen und Theologen Georg Philipp Olearius (1681-1741) und des Juristen und Dichters Christian Gottlieb Roitzsch (1678-1741). Anton reiste weiter nach Altenburg und Bayreuth, wo er beim Hofbuchbinder und Verleger Samuel Gottlieb Riedel (vgl. Paisey 209) in Stellung war. Über weitere Stationen, u.a. in Nürnberg, ging er dann nach Augsburg. "Hier bekam er wieder eine schlechte Werkstatt, bey einem Katholicken, da er für Aergerniß krank und sehr miserabel wurde - bis er endlich zu einem evangelischen Herrn kam, da es ihm besser gieng und er seiner Gesundheit auch abwarten konnte" (Laus. Mag.). Am 7. April 1733 hat sich hier als Gesellenvater der Buchbinder Georg Sedelmayer eingetragen. Bemerkenswert ist auch die Widmung des Augsburger Goldarbeiters und Optikers Cosmus Conrad Cuno (1652-1745). Über Ulm, Stuttgart, Heidelberg und Hanau, wo auch ein Zweig der Familie Anton lebte, ging er gemeinsam mit seinem Bruder Konrad (1712-1759) nach Kassel, wo er beim Kanzleibuchbinder Damm tätig war. Nach einem Aufenthalt in Hildesheim reiste er 1734 über Halle und Leipzig zurück nach Lauban, wo er im Januar 1735 Meister wurde und das Bürgerrecht erhielt. Als "geschickter und erfahrner Meister" (Laus. Mag.) hatte Anton umfangreiche und renommierte Kundschaft. Unter den Stammbuchbeiträgern aus Lauban finden sich bekannte Persönlichkeiten der Stadt wie der Jurist und Philosoph Martin Gottlieb Pauli (1721-1796), der mit Gottsched befreundete Rektor und Dichter Samuel Seidel (1698-1755) sowie der Philosoph und Physiker Johann Heinrich Winckler (1703-1770), der mit seinen Forschungen zur Elektrizität der Zeit weit voraus war.

Zusätzlichen Wert erhält das Stammbuch durch die reizvollen Illustrationen, darunter drei schöne Trachtenmalereien, ein hübsches Quodlibet und mehrere filigrane Papierschnittarbeiten sowie zwei Kupferstichansichten von Lauban. Neben handschriftlichen, oft sorgfältig kalligraphierten Einträgen, finden sich hier, da unter den Beiträgern viele Buchbinder und auch Drucker vertreten sind, auch ein auf Buntpapier goldgeprägtes Widmungsblatt sowie mehrere gedruckte Blätter. - Leichte Gebrauchs- u. Lagerspuren, Titel u. 2 Index-Bll. im Bund verstärkt, evtl. einige Bll. entfernt.

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