Lot 128 *#
Appel, Extract Zauberischer Indicien
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Auction schedule:
27-April-2021 / Lot 101-208 / session starting 11.00 AM
Witch-Hunt
Hexenverfolgung. - Klingenberg am Main. - Appel, B. Extract Zauberischer Indicien Contra Einverleibte Underthanen deß Ampts Klingenbergk. Angefangen in Anno 1628 durch mich Benedict Appel den Jüngern damalß Stadtschr(ei)be(r). Deutsche Handschrift auf Papier. (Klingenberg 1628-1629). (16,5:11 cm). Blattgr. 16:10 cm, Schriftspiegel wechselnd. Mit schwarzbrauner Tinte in deutlicher deutscher Kursive geschrieben. 185 nn. Bll. (davon 42 weiß). Flex. Prgt. aus einer in Klingenberg ausgestellten Urkunde, berieben u. angestaubt, Buchblock verzogen.
Remarkable source on the history of witch hunts in Franconia. The author, clerk of the town of Klingenberg am Main, entered all those accused of witchcraft in this booklet, below which are the names of the prosecution witnesses with the date of their testimony. 23 persons were executed according to the notes of the town clerk. - Some browning, 2 small holes to 1 leaf. Limp vellum, staining.
Vgl. Dieter Feineis, Hexenprozesse gegen Einwohner der Stadt Klingenberg (in: Würzburger Diözesangeschichtsblätter, Bd. 56 [1994], S. 349-355). - Das Kurfürstentum Mainz wurde in den Jahren 1627-1629 von der vierten und letzten Welle von Hexenprozessen erschüttert. Die vorliegende Handschrift ist eine wertvolle Quelle für die Geschichte der Hexenverfolgungen im unterfränkischen Klingenberg und seiner Umgebung. Benedikt Appel war als Stadtschreiber unmittelbar in die Verfahren involviert, er führte z. B. beim Verhör des Veltin Elbert aus Klingenberg das Protokoll (Feineis S. 10). In diesem "Extract Zauberischer Indicien", der dem Stadtschreiber offenbar zur Übersicht dienen sollte, sind insgesamt 144 der Hexerei beschuldigte Personen mit ihrem Wohnort vermerkt, oft auch mit ihrem Beruf; bei Frauen ist auch der Name des Mannes genannt. Darunter werden die Belastungszeugen mit dem Datum ihrer Aussage aufgezählt. Bei Einträgen zu erledigten Verfahren hat Appel den Ausgang vermerkt, oft auch den Eintrag durchgestrichen. 26 Verfahren endeten nachweislich mit dem Tod, die betreffenden Angeklagten kamen aus Erlenbach (17), Klingenberg (4), Elsenfeld ("Elshoven"; 2), Mechenhard (2) und Röllfeld (1). Hingerichtet oder "justificiert" wurden 23 Personen: 10 Männer und 13 Frauen. Eine Frau und zwei Männer sind während des Verfahrens gestorben, darunter Hans Wasmuth, über dessen Schicksal - Tod nach erlittener Folterung - Feineis berichtet; der Eintrag über Wasmuth eröffnet die Handschrift. Die von Feineis erwähnten Hans Philipp Heßler aus Klingenberg und Hans Wetzel aus Elsenfeld wurden aus dem Gefängnis entlassen, nachdem sie Urfehde geschworen hatten, gegen letzteren wurde das Verfahren danach noch einmal aufgenommen. Die vorliegende Handschrift eröffnet der Forschung neue Möglichkeiten, zumal die Quellenlage zu dieser Welle der Hexenverfolgungen für die Stadt Klingenberg dünn ist, sie weist aber auch über den regionalen Bezug hinaus. Als Versuch eines Mannes, der an den Ermittlungen beteiligt war, die Flut der belastenden Aussagen zu bewältigen, dürfte die vorliegende Handschrift einzigartig sein. - Etwas gebräunt u. stellenw. etwas fleckig, das 4. Bl. mit 2 Löchlein.
